Braunbär-Skepsis nach "Bruno"

21. Juli 2006, 17:07
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So das Ergebnis einer Umfrage in Deutschland - Kadaver des Braunbären soll in Bayern bleiben

München/Hamburg - Die Deutschen stehen nach "Bruno" einer Rückkehr der Braunbären deutlich skeptischer gegenüber als noch vor zwei Jahren. Nach einer aktuellen Emnid-Umfrage sprechen nur noch 41 Prozent der Deutschen den großen Wildtieren das Recht zu, sich hier wieder dauerhaft anzusiedeln. Die Umfrage mit 1.059 Teilnehmern wurde am Freitag von der Deutschen Wildtier Stiftung in München veröffentlicht. Bei einer identischen Emnid-Umfrage von 2004 hatten noch 49 Prozent der Bevölkerung eine Rückkehr der einst hier heimischen Braunbären befürwortet.

In Bayern, wo der aus Italien stammende "Bruno" wochenlang unterwegs gewesen war, sank die Bären-Sympathie noch drastischer: von 52 Prozent auf 27 Prozent. Mehr als ein Drittel der Bevölkerung (37 Prozent) spricht sich jetzt ausdrücklich gegen eine dauerhafte Rückkehr dieser seit 171 Jahren aus Deutschland verschwundenen großen Säugetierart aus (2004: 30 Prozent). Als Hauptgrund geben 30 Prozent die Gefahr für den Menschen an (2004: 22 Prozent).

Überreste

Die Überreste des Braunbären bleiben in Bayern. "Er ist Eigentum des Freistaates", sagte Umweltminister Schnappauf am Donnerstag. Der Kadaver soll wissenschaftlichen Zwecken dienen und nicht kommerziell genutzt werden. Auch Italien hatte Ansprüche auf den Bären angemeldet.

Schnappauf verteidigte noch einmal die Erschießung des Bären. Die Tötung des Tieres sei am Ende unvermeidbar gewesen. SPD und Grüne erklärten dagegen, der Bär hätte auch betäubt und eingefangen werden können.

"Naturromantische Sichtweise"

Trotz aller Skepsis ist fast die Hälfte der Deutschen (45 Prozent) der Meinung, Bären sollten unter gar keinen Umständen getötet werden -­ auch wenn sie eine Gefahr für Menschen darstellen. Die Stiftung bezeichnet dies als naturromantische Sichtweise, die gerade in Städten erkennbar sei, und führt sie auf eine "Vermenschlichung" des Braunbären "Bruno" in den Medien zurück.

Die Stiftung setze sich dagegen für eine "Entemotionalisierung" der Debatte ein. Deutschland solle auf eine mögliche Einwanderung weiterer Bären, zum Beispiel aus Österreich, vorbereitet sein. Dort habe sich die Bevölkerung mit etwa 30 Braunbären gut arrangiert, erklärte die Stiftung. Unfälle mit Menschen habe es bisher nicht gegeben. Durch Aufklärungsarbeit sei es möglich, dass Bären auch nach Deutschland zurückkehren könnten.

Die gemeinnützige Deutsche Wildtier Stiftung mit Sitz in Hamburg wurde 1992 gegründet. Ihr Ziel ist es, einheimische Wildtiere in ihren natürlichen Lebensräumen zu schützen und erlebbar zu machen. (APA/dpa)

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    Gegenüber Braunbären ist die deutsche Skepsis gewachsen.

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