Deutsche Telekom bietet Selbstbeschränkung im Internet-Fernsehen an

23. Juli 2006, 16:16
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"Man könnte sich vorstellen, dass es eine Art freiwilligen Verhaltenskodex gibt, der sich strikt an der Frage der Rundfunkveranstaltung orientiert"

Die Deutsche Telekom geht vor den Beratungen der Medienwächter über ihre umstrittenen Fernsehpläne für das Internet auf die Landesmedienanstalten zu.

Telekom-Vorstand Walter Raizner zeigte in der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (Mittwochausgabe) die Bereitschaft zu einer Selbstbeschränkung des Konzerns im Fernsehgeschäft. "Man könnte sich vorstellen, dass es eine Art freiwilligen Verhaltenskodex gibt, der sich strikt an der Frage der Rundfunkveranstaltung orientiert", sagte er. Einige Landesmedienanstalten sehen die Pläne kritisch, da die Telekom als weiter vom Staat dominiertes Unternehmen mit ihrem geplanten Internet-Fernsehangebot gegen den Grundsatz verstößt, wonach der Rundfunk staatsfern zu sein hat.

Raizner bekräftigte, dass die Telekom nicht als Veranstalter von Fernsehprogramm auftreten wolle. "Unser Angebot hat Grenzen. Wir wollen kein Medienhaus im Sinne eines Fernsehsenders sein", sagte er der Zeitung. Die Telekom hat die Übertragungsrechte für die Fußball-Bundesliga für das schnelle Internet (DSL) von 2006 bis 2009 erworben, lässt die Sendungen aber vom Bezahl-TV-Sender Premiere produzieren, der nach eigenen Angaben auch die Programmverantwortung trägt und die notwendige Fernsehlizenz hat. Premiere darf im Gegenzug seinen Kunden das Angebot über das Breitbandnetz des Bonner Konzerns anbieten. Trotzdem sind zahlreiche Medienwächter der Ansicht, dass die Telekom eine eigene Fernsehlizenz für das Programm bräuchte. Am Donnerstag wollen die Direktoren der Landesmedienanstalten in München nochmals über den Fall beraten. Die Frage, ob Premiere oder Telekom Programmveranstalter sei, könne erst abschließend beantwortet werden, wenn der Inhalt ihrer Verträge bekannt sei, hatte der Vorsitzende der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM), Reinhold Albert, Mitte Juni gesagt.

Juristen sind der Ansicht, dass die Telekom nicht um eine eigene Lizenz herumkommt. Der Konzern steht auf dem Standpunkt, keine Lizenz zu benötigen. (Reuters)

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