Elektroindustrie stellt Kollektivvertrag infrage

4. August 2006, 19:45
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Fachverband plant ab Herbst Pilotprojekte im Bereich Arbeitszeit­flexibilisierung, kollektiv­vertragliche Vereinbarungen sollen nicht mehr gelten

Die heimische Elektroindustrie wuchs im Jahr 2005 um über sechs Prozent. Der Fachverband der Elektro- und Elektronikindustrie (FEEI) plant ab Herbst Pilotprojekte im Bereich Arbeitszeitflexibilisierung, kollektivvertragliche Vereinbarungen sollen nicht mehr gelten.

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Wien - Als erste Branche überhaupt hat sich die Elektro- und Elektronikindustrie mit den Gewerkschaften auf die Durchführung von Pilotversuchen geeinigt, in deren Rahmen mögliche Flexibilisierungs-Modelle in einem unternehmerischen Umfeld getestet werden sollen. Fünf bis zehn Unternehmen verschiedener Art sollen an diesem Pilotprojekt teilnehmen, die dann verbunden mit ihrem Betriebsrat flexible Regelungen treffen können, kündigte Albert Hochleitner, Obmann des Fachverbands der Elektro- und Elektronikindustrie, bei der Jahrespressekonferenz am Dienstag in Wien an. "Die gesetzlichen Regelungen sollen dabei gelten, aber nicht die kollektivvertraglichen Vereinbarungen", sagte Hochleitner. Denn "Tätigkeiten und Zyklen von Unternehmen sind heutzutage sehr unterschiedlich: Warum sollen alle nach gleichen Regeln arbeiten? Vieles kann man durchaus den Unternehmen überlassen", meinte Hochleitner.

Da die Ertragslage der Unternehmen seit Jahren kritisch sei, müsse man nun handeln und "den unterschiedlichen Anforderungen der Firmen Rechnung tragen", ergänzte Lothar Roitner, Geschäftsführer des FEEI. Trotz dieser Konzentrationsprozesse liege die Zahl der Beschäftigten aber relativ stabil bei etwa 57.000.

Auch in dem im Vorjahr beschlossenen IKT-Masterplan (Informations- und Kommunikationstechnologien) von Regierung und Interessensverbänden sei viel Gutes drinnen. "Aber ohne einen Verantwortlichen wird das nicht zu laufen kommen", befürchtet Hochleitner. Die FEEI fordert daher von einer neuen Bundesregierung einen offiziellen IKT-Beauftragten.

Die Elektro- und Elektronikindustrie erlebte im Jahr 2005 erneut eine positive Entwicklung: Der Umsatz wuchs um 6,3 Prozent auf 12,3 Mrd. Euro. Der FEEI vertritt die Interessen von rund 300 österreichischen Unternehmen.

Trotz der eher schwachen Konjunktur verzeichnete die Branche einen Anstieg des Produktionswertes um 3,5 Prozent auf 10 Mrd. Euro. Impulsgeber für das Wachstum waren einmal mehr die Exporte, die um 3,8 Prozent ausgeweitet werden konnten. Im vergangenen Jahr lag die Exportquote gemessen am Umsatz bei 71 Prozent, der Anteil der Elektro- und Elektronikindustrie an den Gesamtexporten Österreichs bei 11 Prozent.

Preisrückgang

Ungeachtet der positiven Ergebnisse kämpft die Elektro- und Elektronikindustrie mit den Auswirkungen von weltweit hohen Energie- und Rohstoffpreisen, einem anhaltenden Preisverfall sowie steigenden Arbeitskosten. Der kumulierte Preisrückgang seit 2000 lieg inzwischen bei minus 20,4 Prozent. Auch Fertigungsstätten wurden zusammengefasst, und die Anzahl der Betriebe schrumpfte. (sh, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.7.2006)

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    In Summe hat man in den vergangenen Jahren 20 Prozent bei den Preisen verloren.

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