Im Kampf um Wirtshaus und Breitband-Internet für das Land

10. Juli 2006, 09:24
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Bauernbund betont, nicht nur Agrarinteressen zu verfolgen

Wien/Neulengbach - Die Wahl will er über die Wirtshäuser gewinnen. Fritz Grillitsch, Präsident des Bauernbundes, meint damit nicht nur die Diskussionen an den Stammtischen. Ihm geht es um die Funktion, die das Wirtshaus in einer intakten Dorfgemeinschaft hat. "Wirtshaus und Nahversorger, Bauern und Breitband-Internet"brauche der ländliche Raum zum Überleben.

Grillitsch predigt das landauf, landab - derzeit besonders in Niederösterreich, wo der Bauernbund in allen Gemeinden sein 100-jähriges Bestehen feiert.

Als mitgliederstärkste Teilorganisation der ÖVP hat der Bauernbund Gewicht - auch wenn ihn die städtische Öffentlichkeit allenfalls bei folkloristischen Festveranstaltungen wahrnimmt. "Ich glaube, dass wir Bauern politisch schlau einiges durchgesetzt haben", sagt der Bauernvertreter mit der ihm eigenen Zurückhaltung - und nennt "das praxisgerechte Tierschutzgesetz, die Steuerreform mit dem Agrardiesel und die Pensionsreform, die für die Bauern ein Meilenstein war, weil ihre Leistung anerkannt wird".

Für die Bauern und ihre Vertretung gehe es aber heute nicht mehr um rein agrarische Interessen, betont Grillitsch bei seinem Besuch in Neulengbach im Gespräch mit dem Standard.

Wenn es etwa für Wirte steuerliche Erleichterungen und zusätzliche Einkommensmöglichkeiten (etwa durch die Übernahme von Postdiensten) gibt, dann könnte jener Kulturraum erhalten werden, "der ja nicht nur Lebens- und Wirtschaftsraum für die Bauern ist, sondern auch für die städtische Bevölkerung ein Erholungsgebiet - wo die Sehnsüchte des Städters erfüllt werden".

Und wo längst auch die Bauern in der Minderheit sind. Ihnen nütze es so sehr wie allen nicht bäuerlichen Nachbarn, wenn gerade in den peripheren Regionen Arbeitsplätze geschaffen werden: "Die ÖVP ist nicht nur die Wirtschaftspartei, sie ist die Arbeitsplatzpartei und die einzige Partei für den ländlichen Raum. Im Unterschied zu den europäischen Sozialisten, die wie die SPÖ die Förderungen halbieren wollten."Mit diesen Förderungen würden nicht nur Bauern gefördert, "sondern die Distanzen abgebaut, sodass dort, wo Fuchs und Henne sich gute Nacht sagen, plötzlich 400 Arbeitsplätze entstehen, wie durch den Maschinenhersteller IBS in Teufenbach".

Das sei ein Verdienst der ÖVP-Regionalpolitik, sagt Grillitsch und zeigt sich zuversichtlich, dass das Stimmen bringt: "Keiner will einen Finanzminister, der von der Bawag kommt oder einen Landwirtschaftsminister von den Grünen." (Conrad Seidl, DER STANDARD, Print, 10.7.2006)

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