Eine Kontinentalverschiebung in den nächsten vier Jahren

10. Juli 2006, 20:24
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Mit der WM in Südafrika tritt Afrika nicht nur als Protagonist, sondern auch als Veran­stalter auf - Europa und die FIFA wollen nicht nur mit Rat unterstützen

Berlin - "Es wird", rief Joseph S. Blatter, Oligarchenchef der FIFA, "es wird eine andere Weltmeisterschaft. Es wird eine afrikanische Weltmeisterschaft."Noch vor dem Finale hatte sich der Weltfußballverband von Deutschland verabschiedet und den Blick in eine Zukunft gelenkt, die über das Jahr 2010 hinausgehen soll. In diesem Jahr will der Weltfußball nämlich eine neue Zeitrechnung beginnen: die des gleichberechtigten Mitwirkens Afrikas.

Und diesbezüglich sei, erläuterte der südafrikanische Staatspräsident Thabo Mbeki, der in vier Jahren die 19. Fußball-Weltmeisterschaft eröffnen will, alles roger. "Wir haben ausführlich besprochen, welche Erwartungen die FIFA an das ausrichtende Land hat, dies beinhaltet auch finanzielle Garantien. Wir haben alles zusammengerechnet und sind absolut zuversichtlich, dass wir diesen Verpflichtungen nachkommen können."

Allein in die Verkehrs-Infrastruktur werden rund 1,6 Milliarden Euro zu fließen haben, mit 700 Millionen ist der Neubau von zehn Stadien veranschlagt, daneben aber urgiert die FIFA noch deutliche Verbesserungen im Kampf gegen die Kriminalität und Investitionen in die touristische Infrastruktur, werden doch 500.000 Besucher erwartet.

Die Gegenleistung, meint der Präsident, werde allerdings auch gigantisch sein. "Diese WM kann für Afrika eine Bedeutung haben wie für Deutschland der WM-Triumph 1954 im Finale gegen Ungarn."Damals hat der verursachende Kriegsverlierer Deutschland zurück in eine tragfähige Existenz gefunden. Diesmal erhofft man sich, sagt der Vorsitzende der Afrikanischen Union, Alpha Oumar Konare aus dem Sudan, "eine Auferstehung Afrikas".

Die FIFA wird diesbezüglich auch in die Tasche greifen, verspricht Sepp Blatter, der stets ein Befürworter einer südafrikanischen WM gewesen ist. Der FIFA-Chef wollte die ja schon 2006, bei der Vergabe hat aber Deutschland knapp mit 12:11 Stimmen gewonnen. "Eine WM", nimmt Blatter sich und seinen Verband in die Pflicht, "hat auch eine soziale Dimension. Afrika braucht vor allem medizinische Hilfe, mehr Ärzte und Medikamente."Auch südlich der Sahara will die FIFA den Bau von Fußballplätzen unterstützen, ebenso wie die Etablierung von Profiligen. "Die deutsche Bundesregierung, der DFB, Großbritannien, Frankreich und die EU wollen ihr Wissen einbringen", sagt Blatter. Zusammengefasst sollen all die Aktivitäten im Projekt "Gewinnen in Afrika mit Afrika"werden.

Sportlich werde das in vier Jahren allerdings kaum gegen den Willen der Gastgeber gehen. Bislang sind alle afrikanischen Teams zwar spätestens im Viertelfinale einer WM ausgeschieden. "2010", prophezeit aber Thabo Mbeki, "bleibt der Pokal auf dem Kontinent."

Vorbild Deutschland

Insgesamt erhoffte sich Mbeki "die erfolgreichste Weltmeisterschaft aller Zeiten". Ezzesgeber dafür hat er schon: "Franz Beckenbauer und die anderen aus dem deutschen WM-Organisationskomitee haben uns zugesagt, dass sie uns in der Vorbereitung unterstützen. Dies wird uns helfen, mögliche Probleme zu lösen. Wir wollen uns diese WM zum Vorbild nehmen." (DER STANDARD, Printausgabe, Montag, 10. Juli 2006, sid, wei)

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