Pressestimmen: "Wunsch nach Aufmerksamkeit"

15. Juli 2006, 09:42
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Der Tagesspiegel: Nur chinesisches Wirtschaftsembargo könnte Pjöngjang beeindrucken

Frankfurt/ - Die Nordkorea-Raketenkrise steht auch am Freitag im Mittelpunkt von Pressekommentaren:

"Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ):

"Nordkoreas Raketentests geben Rätsel auf: Warum wurden die Raketen jetzt abgefeuert? Aus Neid auf Iran und den Erfolg seiner bisherigen Konfliktstrategie? Dann würden die Tests auf infantile, aber gefährliche Weise dem Wunsch nach Aufmerksamkeit Ausdruck verleihen. Oder wollte die Führung ihre Unbeugsamkeit angesichts internationaler Forderungen vorführen? Diese Unbeugsamkeit und der Überlebenswille des kommunistischen Regimes spielen sicher eine Rolle.

Eindeutig fällt die Bilanz des Bemühens aus, Nordkorea zum Verzicht seines Nuklear- und Raketenprogramms zu bewegen. Weder südkoreanische Beschwichtigung noch chinesische Pädagogik, weder multilaterale Gespräche unter Einbeziehung Washingtons noch Eindämmung und Isolierung haben bei den Machthabern im Norden einen Gesinnungswandel erreicht oder sie an ihren Proliferationsaktivitäten gehindert."

"Der Tagesspiegel" (Berlin):

"Nordkorea setzt offenbar auf Eskalation. Die USA und Japan hoffen ihrerseits, den Druck auf Pjöngjang durch eine Resolution im UN-Sicherheitsrat erhöhen zu können. Doch es ist fraglich, ob eine solche Resolution durchkommt. China, Vetomacht und wichtigster Partner Nordkoreas, setzt auf 'Dialog und Beratung'. (...) Auch würden die in der Resolution aufgeführten Sanktionen Pjöngjang nicht zu schwer treffen. Viele Staaten halten sich auf Grund internationaler Verträge bereits an diesen Katalog. Dramatisch wäre ein echtes Wirtschaftsembargo Südkoreas und Chinas gegen die selbst erklärte Nuklearmacht. Doch solche Schritte sieht der Resolutionsentwurf nicht vor - und China wäre dazu wohl auch nicht bereit."

"Handelsblatt" (Düsseldorf):

"Im Fall Nordkorea hat Washington eingeräumt, dass der Einfluss Pekings letztlich entscheidender ist. Im Fall Iran hat sich Bush auf die Verhandlungsstrategie der Europäer eingelassen. In beiden Atomkrisen sind die USA nun einer von mehreren Unterhändlern. Hintergrund für den Politikwechsel im Weißen Haus ist die Erkenntnis, den falschen Einflüsterern aufgesessen zu sein. Die Befürworter eines unilateralen Vorgehens der Weltmacht können nirgends nachweisen, dass angestrebte Ziele auch erreicht wurden."

"Kommersant" (Moskau):

"Der Iran wird jetzt abwarten, wie der Westen Nordkorea für dessen Provokation bestrafen wird. Wenn die Reaktion schwach bleibt, wird die Führung in Teheran den USA vorwerfen, mit zweierlei Maß zu messen und voreingenommen gegenüber dem Iran zu sein. Allerdings können auch die westlichen Diplomaten den Fall Nordkorea in Verhandlungen mit Moskau zur Sprache bringen, um die Russen von der Unterstützung anrüchiger Regime abzubringen. Russland muss mit dem Hinweis der USA und der EU rechnen, dass auch Moskaus anderer Partner, der am Atomprogramm bastelnde Iran, plötzlich seine Raketen in Richtung Russland abfeuern kann." (APA/dpa)

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