"Das wird nicht leicht"

6. Juli 2006, 16:01
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Zidane verhalf sich zum Abschied im großen Stil und zeigt Respekt vor Italien - Domenech: "Zi­dane schenkt seit zehn Jahren Freude"

München - Zinedine Zidane hat sich für seinen Abschied von der großen Fußball-Bühne den denkbar würdigsten Rahmen ausgesucht. Der Kapitän des französischen Nationalteams führte seine Elf am Mittwoch in München dank eines verwandelten Elfmeters zu einem 1:0-Semifinal-Erfolg gegen Portugal und damit ins WM-Endspiel, in dem eine perfekte Karriere ihren krönenden Abschluss nehmen könnte.

Seinen größten Triumph feierte der 34-Jährige mit dem WM-Titel 1998 im eigenen Land, zwei Jahre später folgte der Gewinn der Europameisterschaft durch einen Finalsieg gegen die "Squadra Azzurra" - bei einem Erfolg gegen die Italiener am Sonntag in Berlin würde sich der Kreis schließen und Zidane endgültig seinen Platz in einer Reihe mit den Größten der Fußballgeschichte einnehmen.

"Das wird nicht leicht"

Auf dem Weg dorthin wartet mit der Lippi-Elf allerdings ein Gegner, der höher als Frankreich eingeschätzt wird. "Wir werden versuchen zu gewinnen, aber das wird nicht leicht, sondern sehr, sehr schwer", warnte "Zizou", der im Portugal-Match zwar nicht in jenem Maße wie im Viertelfinale gegen Brasilien zur Geltung kam, beim Strafstoß aber dennoch die Verantwortung übernahm und einmal mehr seine Nervenstärke unter Beweis stellte.

"Ich fühlte Druck, aber positiven Druck. Ich habe mir gesagt, wenn ich den Elfer treffe, gewinnen wir, und so ist es auch gekommen", beschrieb Zidane seine Gedanken vor dem 30. Tor im 107. Länderspiel.

"Er ist ein Weltmeister, ein echter Star"

Teamchef Raymond Domenech vergaß angesichts des Gold-Tores die Meinungsverschiedenheiten mit seinem Kapitän zu Turnierbeginn und huldigte dem dominierenden Fußballer des vergangenen Jahrzehnts. "Er ist ein Weltmeister, ein echter Star. Er bedeutet den Franzosen sehr viel, er schenkt ihnen Freude, und das seit zehn Jahren. Das ist genau die Art und Weise, wie er gehen wollte, und deswegen freue ich mich für ihn."

Bei allem Lob betonte der Coach aber auch, dass am Sonntag nicht Zidanes Abschieds-Party, sondern der WM-Pokal im Mittelpunkt steht. "Es geht nicht um das letzte Spiel von Zizou, sondern um ein WM-Finale gegen Italien. Wir wollen die Dinge nicht vermischen, immerhin ist das eine Weltmeisterschaft", sagte Domenech und wies darauf hin, dass auch andere Spieler wie etwa Makelele oder Thuram wenn schon nicht vor ihrem Karriereende, so zumindest vor ihrem letzten Auftritt für die "Bleus" stehen.

Längere Pause für Squadra

"Jetzt ist es entscheidend, den Weg zu Ende zu gehen. Nur mit der Final-Teilnahme können wir uns nicht zufrieden geben. Wir müssen in diesem Spiel alles geben, was wir haben, um sicher zu gehen, dass es keine Ausreden gibt", forderte der Teamchef, für den das Duell Frankreich - Italien eine würdige Endspiel-Paarung darstellt. "Bei dieser WM hat es zwei großartige Leistungen gegeben: Die erste war unser Erfolg gegen Brasilien, weil so etwas nicht jeder zu Stande bringt. Die zweite war der Sieg der Italiener gegen Deutschland, denn sie haben in großem Stil gewonnen."

Wenn sich die "Squadra Azzurra" gegen den WM-Gastgeber auch erst nach Verlängerung durchsetzte, so bleibt Totti und Co. dennoch ein Tag mehr zum Verschnaufen - kein unwesentlicher Faktor, wie auch Domenech weiß. "Jetzt müssen wir so schnell wie möglich regenerieren, denn wir haben gegen Portugal viel Energie verbraucht. Das war sicher unser härtestes Match in diesem Turnier", sagte der Teamchef, dessen Mannschaft in der zweiten Hälfte gehörig unter Druck geriet, aber trotzdem die 16. Partie en suite ungeschlagen überstand und die Erfolgsbilanz gegen die Iberer auf 16 Siege bei einem Remis und fünf Niederlagen ausbaute. (APA)

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    Real-Teamkollegen: Zidane und Figo.

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