Diagnose "Ausländischer Akzent-Syndrom"

14. Juli 2006, 16:17
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Veränderungen in Sprach-Zentren des Gehirns können zu relativ seltenem Phänomen führen, wie es bei einer Britin nun aufgetreten ist

London - Nach einem Hirnschlag ist eine Britin plötzlich mit einem ausgeprägten jamaikanischen Akzent wieder aufgewacht. Die 60-jährige Linda Walker aus der nordostenglischen Stadt Newcastle bemerkte selbst zunächst gar nicht, dass sie auf einmal nicht mehr den gewohnten näselnden Tonfall ihrer Heimatregion sprach. Erst ihr Therapeut konnte ihr die neuen Sprachgewohnheiten vorführen, indem er ihre Stimme aufzeichnete und ihr vorspielte.

"Ich war total niedergeschmettert", sagte die frühere Verwaltungsangestellte dem Lokalblatt "Evening Chronicle". "Ich fühle mich, als wäre ich jemand anderes." Am Telefon hielten die meisten Gesprächspartner sie für eine Jamaikanerin. Ihre Schwägerin finde allerdings, dass sie einen italienischen Akzent habe, ihr Bruder, dass sie slowakisch klinge.

Seltenes Phänomen

Dem Bericht zufolge leidet die Britin, die ihre Heimatregion nie verlassen hat, unter dem "ausländischer Akzent-Syndrom". Forscher der Universität Oxford fanden heraus, dass Veränderungen in den für die Sprache zuständigen Hirnregionen zu diesem relativ seltenen Phänomen führen können. Erstmals war das Syndrom nach Angaben der Spezialisten während des Zweiten Weltkriegs registriert worden, als eine bei einem Luftangriff verletzte Norwegerin plötzlich mit deutschem Akzent zu sprechen begann. (APA/AFP)

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