Anklage gegen Niederlande wegen Srebrenica-Massaker

4. Juli 2006, 15:22
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UNO-Blauhelme sollen mit serbischer Milizen kollaboriert haben - Schadensersatz für Hinterbliebene gefordert

Hamburg - Wegen der Massaker in der ostbosnischen Moslem-Enklave Srebrenica 1995 will der deutsche Anwalt Axel Hagedorn nach einem Bericht des Hamburger Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" den niederländischen Staat und die Vereinten Nationen auf Schadensersatz verklagen. Hagedorn, Leiter der internationalen Abteilung in der holländischen Anwaltskanzlei Van Diepen/Van der Kroef, vertritt demnach 7.930 Bosnier, die bei Angriffen serbischer Milizen Angehörige verloren haben.

Stiftung für Hinterbliebene

In zweijähriger Arbeit hätten 14 Anwälte um Hagedorn das Schicksal vieler Dutzend Hinterbliebener aufgearbeitet, schreibt das Blatt. Für zehn Betroffene würden nun Schriftsätze zur Klage vorbereitet. Für die übrigen 7.920 Mandanten werde eine Stiftung gegründet, die dann die Niederlande und die UNO in einer Massenklage in Haftung nehmen wolle.

Vorwurf der Kollaboration

Hagedorn wirft den als UNO-Blauhelme in Srebrenica eingesetzten holländischen Soldaten vor, mit den serbischen Milizen kollaboriert zu haben und so mitverantwortlich für die Gräueltaten zu sein. Im Gebiet um Srebrenica wurden im Juli 1995 fast 8.000 moslemische Männer und Burschen von bosnischen Serben ermordet. Sie wollten sich in der damaligen UNO-Schutzzone in Sicherheit bringen. Das Massaker während des Bosnienkriegs (1992-1995) wurde vom UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag (ICTY) als Völkermord eingestuft und gilt als schlimmstes Kriegsverbrechen in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg. (APA/AFP/dpa)

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