"Eine andere Art von Trainer"

29. Juni 2006, 21:03
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Der harte Hund Oleg Blochin heulte nach dem Viertelfinal­einzug der Ukrainer - Von seinen Pressekonf­erenzen kann der ÖSV noch lernen

Berlin - Oleg Blochin hat mit seiner mürrischen Art bei der WM bisher nicht viele Sympathien gewonnen. Obwohl dem 53-Jährigen als Trainer mit dem Einzug seiner Ukrainer ins Viertelfinale schon ein größerer Erfolg beschieden ist als einst im Trikot der Sowjetunion, ist dem gestrengen Mann nur selten ein freundliches Wort zu entlocken. "Er ist eben eine andere Art von Trainer", meinte der im Italien-Match am Freitag wegen einer Verletzung fehlende Leverkusener Andrej Woronin.

Blochin missfallen aber nicht nur Fehler seiner Spieler, die er gestenreich kommentiert. Vor allem die Journalisten müssen meist mit unbefriedigenden Auskünften rechnen und sich von Blochin oft über den Mund fahren lassen. Nicht selten werden kritische Fragesteller vom europäischen Fußballer des Jahres 1975 zunächst nach Namen und Presseorgan befragt, bevor er sich zu einer Antwort durchringt. Etwas auskunftsfreudiger gibt sich der Trainer nur beim Fernseh-Sender ICTV, der im Besitz von Verbandschef Surkis steht.

Nach der Abschottung des Teams war das streng bewachte Seminaris-Hotel von Potsdam selbst von ukrainischen Journalisten schon als neuer "Eiserner Vorhang" gegeißelt worden. Mit den Worten "Die FIFA will das so" demonstrierte er bei Abschluss-Pressekonferenzen vor den Spielen seinen Unmut. Und wenn er zur nicht gerade attraktiven Spielweise seiner Auswahl befragt wird, ist von ihm die Bemerkung zu hören: "Ach, schreiben Sie doch, was sie wollen."

Am Tag vor dem Achtelfinale in Köln beantwortete er nur sechs Fragen auf Russisch und wollte nach fünf Minuten den Saal wieder verlassen. Als ausländische Reporter erklärten, sie erwarteten eine Übersetzung durch einen Dolmetscher, antwortete er süffisant auf Englisch: "Me too" (Ich auch) und erntete wieder Kopfschütteln. Es wird vermutet, dass Blochin auf Grund seiner Tätigkeit als Spieler bei Vorwärts Steyr (von Jänner 1988 bis Juni 1989) gut Deutsch spricht und nach 13 Trainer-Jahren in Griechenland auch des Englischen mächtig ist. Dennoch verweigert er jede Kommunikation in einer Fremdsprache.

Am Mittwoch musste im engen Pressezelt am Potsdamer Luftschiffhafen der Dolmetscher als Prellbock herhalten. "Übersetzen Sie nur das, was ich gesagt habe", wies er ihn barsch in die Schranken, als ihn eine Formulierung so gar nicht schmeckte.

Obwohl Insider behaupten, Blochin sei nicht mehr so launisch wie noch als Spieler, degradiert er unliebsame Personen noch immer gern zu Schuljungen. Auf die Frage, wie er als Vorbild auf die Ausbildung des Nachwuchses in seinem Land wirke, meinte er schroff: "Das ist nicht mein Job. Ich bin nur für die Auswahl der Spieler und nicht für deren Ausbildung zuständig." Dass er aber unter seinem dicken Panzer recht dünnhäutig ist, wurde erstmals während des Elfmeterschießens gegen die Schweiz deutlich, als er sich in die Kabine zurückzog und die Tränen nach dem Sieg nicht verbergen konnte.

Obwohl er seit 1998 dem ukrainischen Parlament in mittlerweile fünf verschiedenen Fraktionen als Abgeordneter angehört, war Diplomatie noch nie die Stärke des "Generals", der Wert auf die Feststellung legt, es zu Sowjetzeiten bei Dynamo Kiew nur bis zum Major gebracht zu haben. Nicht selten verprellt er mit seiner Sturheit selbst gutwillige Partner. Mit Verbandspräsident und Milliardär Grigori Surkis, dem die Akteure der "Sbirna" schon jetzt einen Millionenregen verdanken, gibt es immerhin einen Waffenstillstand. "Wir haben eine klare Aufgabenteilung. Blochin ist für das Team verantwortlich, alles Drumherum ist mein Problem", grenzte Surkis ab.

Defensive O.K., Referees weniger

Die defensive Spielweise seines Teams findet Blochin vor dem Viertelfinal-Duell gegen Italien logisch. "Ich schlage vor, sie schauen einmal auf die Anzeigentafel", sagte er. "Viele Mannschaften haben attraktiven Fußball gespielt, aber wo sind sie? Zu Hause!"

Ihm persönlich hätten Mexiko und auch Vorrundengegner Spanien gefallen, der die Ukraine zum Auftakt mit 4:0 besiegt hatte. Doch die Iberer seien gescheitert, und die Ukraine noch dabei.

Den Schiedsrichtern warf Blochin vor, zu kleinlich zu handeln und zu viele Platzverweise zu verteilen. "Sie waren besonders am Anfang zu streng und haben den Mannschaften nicht erlaubt zu spielen. Der Rhythmus ist verloren gegangen, das ist nicht gut", sagte der frühere Weltklasse-Linksaußen. Er halte seine Spieler stets dazu an, vorsichtig zu Werke zu gehen. Im Achtelfinale gegen die Schweiz hatte kein Ukrainer die Gelbe Karte gesehen. (APA/dpa/red)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Das zweite Gesicht des Oleg Blochin: der Boss gelöst beim Gaberln.

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