Ukrainer kann nach Hand-Transplantation in Tirol Finger bewegen

4. Juli 2006, 16:58
1 Posting

Student freut sich auf "Kochen, Essen, Anziehen, Bügeln und Lieben - das Leben" - Aber noch kein Gefühl in den Gliedern

Innsbruck - Einen Monat nach der Transplantation beider Hände an der Innsbrucker Universitätsklinik kann das ukrainische Bombenopfer Vasyly Rohovyy schon alle Finger strecken und auf der linken Hand auch beugen. Am meisten freute sich der Student auf "Kochen, Essen, Anziehen, Bügeln und Lieben - das Leben", sagte er im Rahmen einer Pressekonferenz am Dienstag in Innsbruck .

Dem Patienten gehe es "den Umständen entsprechend gut", zeigte sich Hildegunde Piza, Vorstand der Univ.-Klinik für Plastische Chirurgie zufrieden mit dem Heilungsprozess von Vasyly. "Er ist unglaublich diszipliniert", attestierte sie dem 25-Jährigen.

Physiotherapie seit zwei Wochen

Mit der physikalischen Therapie sei bereits vor zwei Wochen begonnen worden. Einige Wochen müsse der Patient noch stationär behandelt werden. Danach werde er "noch bis zu einem Jahr fernbetreut", sagte Marina Ninkovic, Leiterin der Physikalischen Medizin der Univ.-Klinik für Chirurgie.

Durch den Einsatz eines "immunsuppressiven Regimes" sollen auch noch späte Abstoßungsreaktionen vermieden und Medikamente reduziert werden. "Das kommt zum ersten Mal bei einer Handtransplantation zur Anwendung", sagte Univ.-Prof. Stefan Schneeberger, Facharzt der Abteilung für Allgemein- und Transplantationschirurgie.

Noch keine Gefühl

Spüren könne er seine Hände noch nicht, aber selbstverständlich habe er Schmerzen, sagte der 25-Jährige. Hinter seinem Mundschutz schien er aber trotzdem zu lächeln, während er stolz seine Hände über den Kopf hob, um sie den anwesenden Journalisten zeigen. Er habe sich schon an die neuen Hände gewöhnt, sagte der Patient: "Jetzt sind es meine Hände und ich werde sie schützen bis ans Ende!" Im Herbst will Vasyly wieder studieren. "Deutsch, Englisch und Italienisch. Wenn es eine Möglichkeit gibt, in Innsbruck", hoffte der Ukrainer, der die gesamte Pressekonferenz auf Deutsch bestritt.

Seine Aufsehen erregende Operation hat das ukrainische Bombenopfer unter anderem dem Kärntner Theo Kelz zu verdanken. Dem Klagenfurter Polizisten waren im Jahr 2000 in Innsbruck beide Hände transplantiert worden. Kelz kontaktierte für Vasyly den Innsbrucker Chirurgen, Univ.-Prof. Raimund Margreiter. Zuvor hatte sich der Ukrainer erfolglos in Frankreich und Deutschland um eine Transplantation bemüht.

Vor sechs Jahren hatte der Ukrainer bei einem Spaziergang in seiner Heimat einen Plastiksack aufgehoben. Die darin befindliche Bombe riss ihm beide Hände weg und zerstörte sein Augenlicht. Im Sommer des Vorjahres konnte in Innsbruck seine Sehkraft zum Teil wieder hergestellt werden. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Der Ukrainer Vasyly Rohovyy mit seinen beiden neuen Händen bei einer Pressekonferenz am Dienstag in der Innsbrucker Universitätsklinik.

Share if you care.