Islamisten melden Kapitulation ihrer Gegner

14. Juli 2006, 16:48
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Warlord-Gefolgsmänner ergaben sich - Seit Sonntag siebzig Tote bei Kämpfen

Mogadischu - Nach mehrtägigen heftigen Gefechten in Mogadischu hat die weite Teile Südsomalias kontrollierende Miliz der islamischen Gerichtshöfe die Kapitulation von Hunderten feindlicher Kämpfer gemeldet. Die letzten Anhänger des Warlords Abdi Awale Qaybdiid hätten sich am Dienstag ergeben, erklärte ein Sprecher des Obersten Rates der Islamischen Gerichte. Den Kämpfen in der Hauptstadt fielen seit Sonntag rund 70 Menschen zum Opfer.

Bei Kämpfen mit der Warlord-"Allianz für die Wiederherstellung des Friedens und gegen Terrorismus" (ARPCT) sind seit Februar Hunderte ums Leben gekommen. Nach Informationen der "New York Times" wurden die Führer der Anfang des Jahres gebildeten ARPCT vom US-Geheimdienst CIA mit Geldsummen von bis zu 150.000 Dollar monatlich unterstützt.

Gefährte Bin Ladens

An der Spitze des Rates der Islamischen Gerichte steht Sheikh Hassan Dahir Aweys, ein Geistlicher im Alter zwischen 60 und 70 Jahren, der nach Erkenntnissen der US-Regierung Anfang der neunziger Jahre ein Gefährte von Al-Kaida-Chef Osama Bin Laden gewesen sein soll. Er setzt sich in Somalia für ein Regierungssystem nach streng islamischem Recht ein, wie es die Taliban in den neunziger Jahren in Afghanistan errichtet hatten.

Washington beschuldigt die islamischen Gerichte, die durch Anwendung der Scharia für etwas Stabilität in Teilen des Landes gesorgt haben, Mitglieder des Terrornetzwerks Al-Kaida zu schützen. Der US-Geheimdienst CIA geht davon aus, dass mindestens drei Terroristen, die an den verheerenden Anschläge auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania 1998 beteiligt waren, unter dem Schutz der islamischen Gerichtshöfe stehen.

Chaos seit 1991

Der unter einer schweren Dürre leidende Staat versank nach dem Sturz von Diktator General Mohammed Siad Barre 1991 in Chaos und Anarchie. In den Landesteilen Somaliland und Puntland bestehen separatistische Regierungen.

Die US-Regierung befürchtet die Errichtung eines islamistischen Regimes in Somalia. Die fundamentalistischen Kräfte, die nach US-Erkenntnissen finanzielle Unterstützung aus Saudiarabien erhielten, könnten im Begriff sein, ein Herrschaftssystem nach dem Vorbild der Taliban aufbauen, die von 1996 bis 2001 in Afghanistan an der Macht waren. Aus Saudiarabien und dem Jemen würden Gelder an die islamischen Tribunale fließen, erklärte die Afrika-Beauftragte des US-Außenministeriums, Jendayi Frazer, bei einer Anhörung im Repräsentantenhaus in Washington. (APA/AP)

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