Pressestimmen: "JJ1" als Medienstar

21. Juli 2006, 16:13
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Ausführliche Berichte und Kommentare in deutschen und österreichischen Tageszeitungen

Am Tag nach dem Tod von Problembär "Bruno" alias "JJ1" durch die Gewehrkugel eines Jägers in Bayern widmen Tageszeitungen in Österreich und Deutschland dem Tier ausführliche Berichte und Kommentare.

"Die Welt" (Hamburg):

"Jeden Kampfhund auf der Straße möchte man einschläfern lassen. Dabei fressen Kampfhunde keine lebenden Nutztiere, und wenn doch, kommt der Tierarzt mit der Spritze. Aber daß nun der Schafmeuchler Bruno erschossen wurde, empört das halbe Land. Es ist halt widersprüchlich, unser Verhältnis zu den Tieren - auch insofern, als wir einerseits Millionen spenden, damit Tiger um ostasiatische Dörfer schleichen können, andererseits zur Knarre greifen, sobald bei uns ein Bär mal an die Bienenstöcke geht. Man sieht: Stringente logische Schlüsse lassen sich aus dem Braunbär-Abenteuer nicht ziehen."

"Frankfurter Allgemeine Zeitung":

"In den Stunden nach Brunos Tod greift Betrübnis um sich. Der Bär ist den Deutschen über die Wochen ans Herz gewachsen." FAZ.NET: "Er war mehr als das entlaufene Sommerviech des Jahres; Maskottchen, Identifikationsfigur, Vorbild."

"Abendzeitung" (München):

"Nach langer Hatz ward er gemeuchelt. An der Rotwand im Oberland fand es ein Ende: das kurze, glückliche Leben des Braunbären Bruno ... der bayerische Bär ist tot, da darf man ruhig ein bisserl traurig (und wütend) sein."

"Süddeutsche Zeitung" (München):

Die Zeitung konstatiert, dass der Bär "rechtzeitig zur WM ins Sommerloch getapst war, bevor Ottfried Fischer sich breit auf den Abfluss setzte ... "Weil er den Jäger in sich nie sozialverträglich domestiziert hat, musste er eine Außenseiter-Karriere als Problembär einschlagen."

"Bild-Zeitung":

Unter dem Titel "Herz des Bären heimlich verbrannt" fasst das deutsche Boulevard-Blatt kurz und reißerisch zusammen: "Es war nur ein Schuß. Aus 150 Metern Entfernung. Durchs Schulterblatt genau in die Lunge. Problembär Bruno hatte keine Chance. Er war sofort tot. ... Er riss in den letzten Wochen 35 Schafe, aber starb mit leerem Magen! Sein Herz und seine anderen inneren Organe wurden heimlich verbrannt."

"Neue Zürcher Zeitung":

"Allerdings beweist die Aufregung der vergangenen Wochen um das Tier und seine Taten, dass man hierzulande noch keineswegs auf Grossraubtiere in freier Natur vorbereitet ist ... Da nun das erste Gastspiel eines Bären in Bayern seit 1835 nicht glücklich verlaufen ist, hoffen Naturschutzverbände darauf, dass der nächste Bär doch bitte ein pflegeleichtes Exemplar sein werde."

"Blick online" (Zürich):

"Jetzt streiten sie um den Kadaver", titelt die schweizerische Boulevardzeitung in ihrer Online-Ausgabe. "Erst konnten sie ihn nicht rasch genug loswerden. Aber jetzt, da der Bär tot ist, reissen sie sich um ihn."

"Kleine Zeitung" (Graz):

"Werbegurus müssen vor Neid erblassen, wie locker und schnell es der brauen Zottel geschafft hat, eine Marke, ein Star zu werden. Egal, wie viele gerissene Schafe und zertrümmerte Bienenstöcke seinen Weg säumten, die Sympathiewerte stimmten allzeit. Selbst gemeuchelte Kaninchen und Meerschweinchen aus der Kategorie Streichentier wurden ihm verziehen. Unsere Tamagotchi-Gesellschaft hatte wieder einmal einen Liebling auserkoren."

"Die Presse" (Wien)

beschäftigt sich in einem Kommentar mit den Wortmeldungen von Politikern nach dem Tod des Bären. "Den Vogel (nein, nicht den Bären) schießt aber Bundeskanzler Wolfgang Schüssel ab, wenn er vom 'Tod eines großen Europäers' spricht der den Schengen-Freiraum voll ausgenutzt habe. Ein Scherz? Macht man öffentlich Scherze über den Tod eines Bären? Das Politiker-Mitleid mit dem Bären wirkt jedenfalls eigenartig. Schließlich handelt es sich nicht um einen fleischgewordenen lieblichen Teddy-Bären, sondern um ein Raubtier, das als Gefahr für die Menschen erkannt wurde."

"Kurier" (Wien)

"Ist halt nicht so leicht mit Tieren. Vielleicht hätte man Bärenflüsterer gebraucht statt bärenstarker Politikersprüche."

"Kronen-Zeitung" (Wien)

"Sogar der Bundeskanzler hat eine Träne zerquetscht, wie man hört ... Wenigstens eine andere Bärli-Geschichte ist gut ausgegangen: Frau Renate Fischer hat ihr untreues Mannbild, den Bullen von Tölz, wieder zurückgenommen. Lädiert, aber immerhin." (APA)

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