Schüssel: "Persönlich tut es mir leid"

21. Juli 2006, 16:13
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Tirols Agrarlandesrat: "Froh, dass Thema erledigt ist" - Landesjägermeister ist hingegen "nicht erleichtert"

Innsbruck - Der Abschuss von Braunbär "JJ1" in Bayern hat am Montag für unterschiedliche Reaktionen gesorgt. Die Stellungnahmen reichten in Österreich von "Erleichterung" bis hin zu "Bestürzung". "Persönlich tut es mir leid", meinte Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V). Doch gelte es abzuwägen, wenn die Gefahr täglich größer werde und möglicherweise auch dem Menschen eine Gefahr durch den Bären drohe.

"Ich bin froh, dass das Thema erledigt ist", reagiert Tirols Agrarlandesrat Anton Steixner (V). Er habe in den vergangenen Wochen "oft Angst" gehabt, dass Menschen zu Schaden kommen. Ihm wäre es allerdings lieber gewesen, man hätte den Bären einfangen können. Ein "normaler Bär mit einem normalen Verhalten" sei in Tirol jederzeit willkommen, betonte er. Das Land wolle ab sofort dem Bären-Managementplan beitreten, um für die Zukunft gewappnet zu sein.

"Nicht erleichtert" zeigte sich sein Bruder, Tirols Landesjägermeister Paul Steixner. "Wir können davon ausgehen, dass es in Zukunft, wenn wieder Bären durch Tirol streifen, die selben Diskussionen und Reaktionen geben wird", befürchtete er. Die Abschussfreigabe habe er mit Bedauern zur Kenntnis genommen. "Wir waren auf Grund der bisherigen Ereignisse der Meinung, dass es sich nicht um eine hochgefährliche Situation handelt", sagte er.

"Wenn man sechs Wochen alles Erdenkliche versucht, um das Leben des Bären zu retten und dann wird er so schnell erschossen, ist das schon enttäuschend", hieß es vom WWF Österreich. "Für die Sicherung des Bärenbestandes im Alpenraum" wünschte sich die Artenschutzorganisation einen "Bären-Management-Plan". Bei "JJ1" habe es sich um einen "Problembären" gehandelt. Deshalb könne man aus dem jetzigen Abschuss keine Schlüsse auf Bärenansiedlungsprojekte ziehen.

Vier Pfoten "sehr bestürzt"

Die Tierschutzorganisation "Vier Pfoten" gab sich "sehr bestürzt" darüber, dass der Bär jetzt tatsächlich sterben musste. "Wir sind in Österreich an den Umgang mit derartigen Wildtieren nicht mehr gewöhnt", hieß es. Man habe "JJ1" Asyl im Wildpark Poing (Bayern) und im Bärenwald Arbesbach (NÖ) angeboten. Der vorzeitige Abschuss sei rechtlich zu prüfen.

SPÖ Umwelt- und Tierschutzsprecher Jan Krainer zeigte sich hinsichtlich des plötzlichen Auffindens des lang gesuchten Bärens verwundert. "Wochenlang weiß man angeblich nicht wo er ist und kaum ist JJ1 zum Abschuss freigegeben, taucht er direkt vor der Flinte auf", so der Politiker. "Das scheint ein schier unmöglicher Zufall zu sein."

Bedauern in Italien

Im italienischen Umweltministerium löste der Tod des aus dem Trentino stammenden Braunbären Bedauern aus. Noch am Wochenende hatte der neue italienische Ressortchef, Alfonso Pecoraro Scanio, berichtet, er wolle am Dienstag beim EU-Gipfel der Umweltminister in Luxemburg mit seinen österreichischen und deutschem Amtskollegen über eine gemeinsame Aktion besprechen, die dem Tier das Leben hätte retten sollen.

"Es ist barbarisch, geschützte Tiere abzuschießen. Der Bär Bruno war das Ergebnis eines mehrjährigen Schutzprojekts", sagte der WWF in Italien. "Es gibt keine Entschuldigung, für das was geschehen ist. Die Jagd auf den Bären ist das Zeichen einer Niederlage." (APA)

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    Bruno, aufgenommen Mitte Mai im Lechtal in Tirol

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