Mein Auto bremst selbst

27. Juni 2006, 18:00
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Erstmals in der Geschichte des Automobils bringt Mercedes ein System, das nicht nur Gefahren erkennt, sondern notfalls selbstständig bremst

Nachdem mit Erscheinen der neuen S-Klasse der Bremsassistent Plus eingeführt wurde, legt Mercedes nun noch ein Schäuferl nach und bringt ab September die so genannte Pre-Safe-Bremse.

Während der Bremsassistent Plus den Fahrer vor einem drohenden Auffahrunfall nur optisch und akustisch warnt, führt die Pre-Safe-Bremse eine autonome Teilbremsung durch. Das heißt, wenn man dem vorderen Fahrzeug zu nahe kommt und nicht reagiert, bremst sich der Wagen von selbst ein - mit 40 Prozent der vollen Bremsleistung; aber erst dann, wenn eine Kollision gar nicht mehr vermeidbar ist. Damit kann der Unfall zwar nicht verhindert werden, aber die Unfallschwere wird deutlich reduziert.

Zwei Radarsysteme

Das Pre-Safe-Bremssystem baut, wie schon der Bremsassistent Plus, auf der Radartechnik des Abstandstempomaten auf. Sie setzt sich bekanntlich aus zwei Radarsystemen zusammen. Zwei Nahbereichssensoren (24 Gigahertz) sitzen hinter der Stoßfängerverkleidung. Sie weisen eine Reichweite von 30 Metern und einen Abtastwinkel von 80 Grad auf. Das zusätzliche Fernradar (77 Gigahertz) sitzt in der Kühlermaske und reicht 150 m weit.

Die Pre-Safe-Bremse bremst nicht nur automatisch. Gleichzeitig wird auch der Pre-Safe-Insassenschutz aktiviert, das heißt, bei einer Notbremsung werden die vorderen Sicherheitsgurte gestrafft und die Luftpolster in den Multikontursitzen (gegen Aufpreis) aufgeblasen. Der Beifahrersitz bringt sich automatisch in eine optimale Stellung, damit Gurt und Airbag ihre Wirkung bestmöglich entfalten können. Hinten korrigiert das System ebenfalls automatisch die Lehnenneigung.

Simulator-Tests

Die Wirkung wurde ausführlich im Fahrsimulator getestet. Dabei haben sich folgende Ergebnisse herauskristallisiert: Es wurde ein Unfall auf der Gegenfahrbahn simuliert, der die Testteilnehmer ablenken sollte.

Die überwiegende Zahl der siebzig Probanden reagierte prompt auf die akustische und optische Warnung und konnte so einen Unfall verhindern. Siebzehn Prozent traten während der autonomen Teilbremsung noch schnell selbst aufs Bremspedal und konnte so ebenfalls den Anprall verhindern. Ein Drittel der Teilnehmer ließ sich durch den Unfall auf der Gegenfahrbahn so stark ablenken, dass die Pre-Safe-Bremse immerhin noch eine deutliche Verringerung der Aufprallgeschwindigkeit erreichte.

500 Testfahrer

Um ganz sicherzugehen, dass es auch zu keiner Fehlfunktion des Systems kommen kann, testeten 500 Autofahrer in Deutschland und den USA die Pre-Safe-Bremse im Verkehr. Kameras und Computer zeichneten die kritischen Verkehrssituationen auf. Damit hat man bereits über eine Million Kilometer abgespult. (Rudolf Skarics, AUTOMOBIL, 23.6.2006)

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Mercedes

  • Pre-Safe-Bremse beim Feldversuch auf einer Teststrecke.
    foto: werk

    Pre-Safe-Bremse beim Feldversuch auf einer Teststrecke.

  • Das System führt in kritischen Fällen – wenn etwa der Fahrer nicht reagiert – von selbst eine Teilbremsung durch. Prädikat: sinnvoll.
    foto: werk

    Das System führt in kritischen Fällen – wenn etwa der Fahrer nicht reagiert – von selbst eine Teilbremsung durch. Prädikat: sinnvoll.

  • Die Radar-Systeme der Mercedes S-Klasse.

    Die Radar-Systeme der Mercedes S-Klasse.

  • Zeitschema der Pre-Safe-Bremse vor einem drohenden Auffahrunfall.
    foto: werk

    Zeitschema der Pre-Safe-Bremse vor einem drohenden Auffahrunfall.

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