Präsident soll wegen Geheimdienstarbeit zurücktreten

10. Juli 2006, 13:52
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Parwanow redigierte ein vom Geheimdienst bestelltes Buch - Rechts-Opposition empört

Sofia - Nach Enthüllungen über seine Auftragsarbeit für den früheren kommunistischen Geheimdienst in Bulgarien haben rechte Oppositionsparteien am Freitag den Rücktritt von Staatspräsident Georgi Parwanow gefordert. Parwanow hatte zuvor zugegeben, als Historiker ein von dem einst berüchtigten Geheimdienst bestelltes Buch redigiert zu haben. Der Verband der demokratischen Kräfte (SDS) von Ex-Präsident Petar Stojanow, dem Vorgänger Parwanows, sprach von einem "neuen grandiosen Skandal".

Die Affäre gefährde das Ansehen Bulgariens und sei "ein weiteres negatives Argument" in der Debatte um den für kommendes Jahr angestrebten EU-Beitritt, erklärte die Partei. Die Frage sei nicht, was Parwanow genau gemacht habe, sondern warum sein Eingeständnis "verspätet" gekommen sei.

"Nicht gewusst"

Parwanow sagte, er habe nicht gewusst, dass der Geheimdienst der eigentliche Auftraggeber des Buches gewesen sei. Er hätte den Auftrag aber auch dann erfüllt, wenn er dies gewusst hätte.

Auch die rechte Partei Demokraten für ein starkes Bulgarien (DSB) forderte daraufhin seinen Rücktritt. "Der Präsident von Bulgarien, das NATO-Mitglied ist, darf keinen Agenten-Namen haben", sagte der DSB-Vorsitzende und frühere Regierungschef Iwan Kostow. Damit verwies er auf den Namen "Goze", unter dem ein Geheimdossier über Parwanow geführt wurde. Der Codename war im Zuge der seit Wochen andauernden Diskussion um eine Öffnung aller früheren Geheimdienstakten ans Licht gekommen. Parwanow hatte sich gegen eine Öffnung der Akten ausgesprochen.

In Bulgarien stehen in diesem Herbst Präsidentenwahlen an. In allen Umfragen liegt Parwanow derzeit in der Gunst der Wähler vorn. Vor seinem Amtsantritt im Januar 2002 war Parwanow Chef der jetzt regierenden Sozialisten (Ex-Kommunisten). (APA/dpa)

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