Von Wasser und Wein, ...

25. Juni 2006, 17:30
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... Likör und kleinem Schwein. Reisebericht aus Sardinien mit strukturellen, kulinarischen und vinophilen Aspekten – und keiner Rede von Wellness - Teil 2

Radtour am Meer entlang. Schöne Nebenstraßen, üppige Vegetation entlang der Küste, Alleen von Oleanderbäumen und blühenden Büschen. Sand, etwas mehlig stellenweise. Feine Buchten, kaum ein Mensch, ein paar Sarden halt. Wirklich fein und einladend die Bucht zwischen Capo Ferrato und Torre delle Saline. Feiner Sandstrand und große Pinien. Campers Paradies.

Tags darauf: Radtour nach Villasimius. Heiß. Schön. Anstrengend. Felsiges Ufer, kleine Buchten. Feiner Sand, grünes Meer. Kühl und frisch. Wassermangel. Einkehr im Agritourismo da Angela. 2 l Wasser, pro Liter € 0,25. Abendessen ebendort. Einfach, gut. Die ganze Liste von Antipasti: gegrillte Melanzzani und Zucchini, gefüllte Tomaten, Pepperonata, Salami und Käse, Bruschette. Secondi mit zweierlei Ravioli, Lammsugo und Pilzfüllung, fatto a casa natürlich. Das kleine gebratene Schwein (Maglialetto auf Sardisch) gut, aber nicht so ganz frisch, die Haut zäh, unkaubares Leder. Sehr gut dafür der Preis: € 22.– pro Mann und Nase, tutti completti.

Aperitif im Ristorante S’Obreschida, kurz vor Costa Rei. Schöner Grill im Garten, aber wir haben ja schon reserviert, dort, wo das kleine Schwein schon etwas zäh war. Was soll man machen. Wir nehmen eine Flasche Spumante. Kork. Jetzt weiß ich wenigstens, wie das auf italienisch heißt: Sapori di tappo.

Great Ocean Road

Auf nach Cagliari. Zum Apple-Händler, weil man wie deppert nicht und nicht ins Internet kommt. Das zu beschreiben ist eine eigene Story, aber wer hat schon die Zeit, sich mit diesem ganzen läppischen Nichts-ist-leichter-als-www zu beschäftigen? Immerhin: Wunderbare Küstenstraße, in der Art „Great Ocean Road“, halt nicht ganz so lang, aber für Radtouristen ausreichend. Es empfiehlt sich, auf der Hauptstraße zu bleiben, auch wenn es viel Verkehr hat, wie der Schweizer sagen würde. Die Schnellstraße von Cagliari nach Muravera ist erst teilweise fertig, wenn sie aber mal soweit ist, wird die Küstenstraße viel radfreundlicher sein.

Trotzdem bleibt man auf der Küstenstraße, der Biker kann sich im Landesinneren ohne weiteres verirren, denn der Wege sind viele, der Karten aber wenige. Dazu kommt, dass die Versorgungsfrage geklärt werden muss, denn ohne Vorbereitung kannst du in der Einsamkeit der Maccia fast verdursten. Kein Wasser weit und breit, kein noch so kleines Geschäft, dass dich mit einer Salami wieder auf die Beine bringt.

By the way: Wasser und Wein. Beides sehr gut, wobei der Wein eine erstaunliche Preiswertigkeit bei hoher Qualität hat. Während der Wasserpreis zwischen 0,25 Cent und 2,- Euro pro Liter schwankt (hängt von den Geschäfts- bzw. Gastrobetreibern ab), kostet der famose Cannonau de Sardegna unabhängig vom Produzenten immer und überall zwischen € 5,- und € 7,-

Insel der schwarzen Weine

Dass Sardinien „Insel der schwarzen Weine“ genannt wird, hängt unmittelbar von dem hier gekelterten Rebensaft ab. Tiefdunkel, erdig, kräftig, würzig. Keine Spur von diesen „modernen“, marmeladig-konzentrierten Säften, die weltweit einem vordergründigen Geschmacksbild nachgebaut werden, sondern Weine, die nach Wein schmecken und über einen dichten, kräftigen Körper verfügen.

Passt wunderbar zu dem gegrillten Fleisch, das in hervorragender Qualität angeboten wird. Kräftige, dunkelfleischige Hühner mit einer Haut, die geradezu nach einem Gartengrill verlangt und diese Prozedur unbeschadet „überlebt“, oder Bratwürste mit krossem Biss und ganz neuer Würze, die von der hier reichlich vorhandenen Myrthe lebt.

Ein überraschend kräftiger und erdig-trockener Wein wird auch aus der Monica-Traube hergestellt. Vom Weingut Argiolas, das im Norden der Insel liegt und auch schon „international“ entdeckt wurde, gibt es den „Costera“ aus der Cannonau-Traube und den „Perdera“ aus der Monica-Traube. Um keinen Deut weniger gut ist aber auch der Wein aus dem Süden, zum Beispiel der „Capo Ferrato“ von der Cantina Sociale Castiadas. Alle Weine mit 13 bzw. 13,5% vol., die dem Wein viel Kraft und den schönen Körper eines sardischen Adonis verleihen.

Die Mirten-Likör-Manufaktur

Muravera, Su Bresca Dorada, auf deutsch: „Zur Goldenen Wabe“. Besuch in der Mirten-Likör-Fabrik. Ist natürlich keine Fabrilk, sondern eine kleine Handwerkerei, auch wenn die Jahresproduktion rund 50 Tonnen verarbeiteter Früchte beträgt. Ein ordentlicher Output von cirka einer halben Million Flaschen.

Zwei Partner, Paolo Melis und Enrico Diana, haben die Mirtoliköre in die Welt gebracht. Das Consortio „Associazione Produttori Liquore Mirto di Sardegna“ besteht aus drei Betrieben (Bresca Dorada, Rau Distillierie und Zedda Piras) und beherrscht rund 80 Prozent des Marktes. Um ihre Qualitätsphilosophie durchzusetzen, haben sie sich eine Art Reinheitsgebot verordnet: Es dürfen auschließlich sardische Früchte verwendet werden und den Produkten dürfen keine Farb- und/oder Aromastoffe zugesetzt werden.

Der Geschmack der kleinen Sünde

Auch mit dem Zucker gehen die Mirten-Macher etwas vorsichtiger um als im übrigen Italien: „Während sonst zumeist 27 Prozent Zuckeranteil in den Likören ist, sind es bei uns nur 22 Prozent.“ Was an sich noch immer etwas viel ist, aber die Liköre von Bresca Dorada schmecken wirklich nicht so picksüß wie gewohnt. Leicht gekühlt getrunken sind sie – ob Mirto Bianca oder Mirto Rosso, ob der Aràngiu, ein Liquore di Arance, der nur aus den Schalen hergestellt wird, oder der spritzige Limoncino di Muravera oder der Fico d’India (aus der Kaktusfrucht) – alle wie eine kleine Sünde.

Und der Limoncino als Longdrink (im Selbstversuch getestet) ersetzt beinahe einen Mojito: 4-5 cl Limoncino, Eiswürfel, 1 Minzezweig, mit Tonic aufgießen. Fertig. Ein erfrischender Sundowner. Kreiert im Hotel „Luci del Faro“ auf S.Antioco, dort erhältlich unter dem Namen „Cocktail Venezia“. Aber auf das schöne Hotel und die rauhe, dabei herzliche Insel Sant Antioco kommen wir noch zu sprechen.

Der kleine Unterschied

Die Italiener lieben es bekanntlich ziemlich süß, und da unterscheiden sich die Sarden nur wenig. Aber doch ungefähr soviel, wie sich – wie schon erwähnt – die Autofahrer des Festlands von jenen der Insel der heißen Winde unterscheiden. Nämlich: „Wir sind doch hier nicht in Italien, sondern in Sardinien. Dalli dalli und weg hier“, kommentierte der Maresciallo von der Guardia Stradale unsere kleine, ur-italienische Haltesünde an der Straßenecke. Grad und grad ging sich noch aus, unsere Tomaten zu bezahlen.

So ungefähr ist auch der Unterschied im Gebrauch von Zucker, den die Produzenten des Mirto in ihren Likör geben. Einfach nicht ganz so dick aufgetragen. Das bekommt dem Likör sehr gut, wir als gelernte Zuckerhasser der figurbetonten Welle würden noch weniger für besser halten. Aber erkläre das mal einem Italiener...

Von Vene Maier

Ansichtssache: Sardische Impressionen 2

Sardische Küche in Wien

Teil 1: Viel mehr als nur das Meer

Ansichtssache: Sardische Impressionen 1

Links

www.brescadorada.it

www.casesardegna.
info


Spezialist für Sardinienreisen ist Christophorus-Reisen.
Infos unter:

www.sardinien.at

Der Mirto Rosso von Bresca Dorada, ein Cannonau di Sardegna und ein Vermentino di Sardegna sind in Wien erhältlich bei:
Riccardo Piccini
Linke Wienzeile 4
1060 Wien

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    fotos: vene maier, bresca dorada, casesardegna
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