Kein Konsens um sexuelle Selbstbestimmung

9. Juni 2000, 19:21

Die Einigung bei der UNO-Frauenkonferenz scheitert am Widerstand streng islamischer Länder und des Vatikan.

New York - Die UNO-Sonderkonferenz "Frauen 2000" in New York drohte am Freitagabend ohne das dokumentierte Recht für Frauen in aller Welt, selbst über ihre sexuelle Aktivität und Orientierung bestimmen zu können, zu Ende zu gingen. Zwischen 5000 und 10.000 Delegierte setzten in fünftägigen zähen Verhandlungen jedoch wichtige Teilerfolge durch. Das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung, Aufklärung, Empfängnisschutz und Abtreibung sowie Schutz vor Gewalt und Sexhandel blieb allerdings wenige Stunden vor Abschluss der Konferenz unerreicht.

Regierungsdelegationen aus 188 Ländern und Mitglieder von unabhängigen Frauenorganisationen debattierten bis in die frühen Morgenstunden des Freitag. Doch der Durchbruch scheiterte am Widerstand einer Gruppe streng islamischer Staaten wie Algerien, Iran, Irak und Sudan sowie des katholischen Nicaragua und in vielen Fragen auch des Vatikans selbst. Von dem gut 80 Seiten langen Aktionsprogramm für die Gleichstellung von Frauen in den kommenden fünf Jahren war am Freitagmittag bei über zehn Prozent noch kein Konsens erzielt.

Beschneidung als Verletzung der Menschenrechte

Offen blieb auch ein gemeinsamer Plan, wie die internationale Gemeinschaft in Zukunft Gewaltakte gegen Frauen verhindern und den Sexhandel mit Frauen blockieren kann. Dagegen galt als Erfolg, dass die rituelle Beschneidung weiblicher Geschlechtsorgane zum ersten Mal in einem UNO-Dokument als Verletzung der Menschenrechte angeprangert wird. Im Abschlussprotokoll von Peking war die Genitalverstümmelung von Frauen nur als "schädliche traditionelle Praxis" eingestuft worden.

Das Aktionsprogramm der Frauentagung von New York verurteilt auch die so genannten Ehrenmorde in einigen arabischen Ländern ausdrücklich. Es enthält konkretere Zielvorgaben zur Gleichstellung der Frauen in den kommenden fünf Jahren, erleichtert Kleinkredite für Frauen in armen Regionen und räumt regierungsunabhängigen Organisationen mehr Einfluss ein. (APA/dpa)

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