EU-Kommission bringt Lkw-Transitbörse für die Alpen ins Spiel

21. Juli 2006, 13:04
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Der Ausbau der Bahn genießt nicht mehr überall Priorität

Ähnlich wie schon bei Emissionen soll es auch im Lkw-Transitbereich zu einem Börsenhandel mit Fahrtgenehmigungen kommen. In ökologisch sensible Zonen wie den Alpen mit der Transitstrecke durch Tirol könnten in Zukunft auch „Umweltauswirkungen und Staurisiken“ in die Mautberechnungen einfließen, geht aus der am Donnerstag vorgelegten langfristigen EU-Verkehrsstrategie hervor. Um eine Verlagerung des Verkehrs auf die Schiene und andere Strecken zu erreichen, kann sich EU-Verkehrskommissar Jacques Barrot auch den Handel mit Transitrechten vorstellen – allerdings nur als „Übergangsregelung“ bis zur Fertigstellung des Brennertunnels, sagte er in Brüssel. Als Beispiel für ähnliche _Begrenzungen nannte er den Mont-Blanc-Tunnel. Durch diesen könnte schon heute nur eine begrenzte Zahl von Lkw die Alpen durchqueren. Prinzipiell schlägt die EU-Kommission mit ihrem Konzept einen „praxisnäheren“ Weg ein als bisher. So sollen alle Verkehrsmittel gleich behandelt werden, für die Bahn gibt es nur noch auf sehr langen Strecken und im Nah_verkehrsbereich Priorität.

Rückgang auf der Schiene

Trotz des bisher uneingeschränkten Bekenntnisses zur Schiene kam es zu einem relativen Rückgang des Gütertransportes über die Bahn, was Untersuchungen der Kommission auch mit steigender Nachfrage nach Tür-zu-Tür-Dienstleistungen begründen. Der Rückgang dürfte nun aber zum Stillstand gekommen sein – mit eher geringen Marktanteilen von zehn Prozent beim Frachtverkehr und sechs Prozent beim Personenverkehr. Hauptverkehrsträger in der EU ist die Straße mit einem Marktanteil von 44 Prozent beim Güter- und 85 Prozent beim Personenverkehr. Erstmals beschäftigt sich die EU auch ausführlicher mit den Auswirkungen des Verkehrs auf die Umwelt. Die Umweltkosten und -schäden werden mit 1,1 Prozent des Bruttoinlandsproduktes angegeben, was für die EU eine jährliche Belastung von rund 110 Milliarden Euro bedeutet und für Österreich rund 2,7 Milliarden. Diese Berechnungen gelten jedoch nur als Annäherung. „Wir sind noch auf der Suche nach einem System, die Umweltkosten besser ein_zurechnen“, sagte Barrot.

Insgesamt verursacht der Verkehr in der EU 21 Prozent der Treibhausgasemissionen. Kritik gab es vom Österreichischen Transitforum: „Mit der neuen Strategie entlarvt sich die EU als Gesundheits- und Wirtschaftsschreck erster Güte“, sagte Fritz Gurgieser. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23.6.2006)

Michael Moravec aus Brüssel

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Alpentransit-Börse
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