Nur beim Schimpfen schweigt Zicos Schatten

21. Juni 2006, 15:57
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Viele WM-Trainer wären ohne Übersetzer hilflos, der Japaner Kunihiro Suzuki ist ein ganz besonderes Exemplar

Berlin - Übersetzer sind für eine Reihe der 32 WM-Trainer unersetzlich. Ohne Dolmetscher würden die Südkoreaner die Anweisungen des Niederländers Dick Advocaat nicht verstehen, das Fach-Kroatisch von Branko Ivankovic bliebe Irans Kickern ebenso unverständlich wie Marcos Paquetas Taktik den Saudis.

Ein ganz besonderer Mittler zwischen Chefcoach und Kickern ist der Japaner Kunihiro Suzuki, der Paquetas brasilianischen Landsmann Zico nicht nur übersetzt, sondern sogar dessen Gestik, Mimik und Tonfall imitiert. "Er ist mein Freund, meine Stimme und mein Schatten in Japan", sagt Zico über den Mann an seiner Seite.

Suzuki ist Zico schon seit 1991 zu Diensten, als er beim japanischen Club Kashima Antlers noch als Spieler aktiv war. Diese langjährige Zusammenarbeit hat sie zu Seelenverwandten gemacht. "Kunihiro übersetzt nicht nur meine Worte, sondern auch meine Gedanken und meine Philosophie", sagt Zico. Nur bei Schimpfworten, die der Brasilianer in Rage brüllt, bleibt sein "Sprachrohr" stumm. "In Japan sagen wir das nicht", begründet Suzuki diese Zensur.

Beim WM-Qualifikationsspiel zwischen dem Oman und Japan in Muskat übertrieb der Dolmetscher im Jahr 2004 hingegen sein Rollenspiel: Weil er sich damals zu heftig in der Trainerzone engagierte, erhielt Suzuki die Rote Karte und eine Sperre für ein Pflichtspiel.

Nicht zu bremsen war in den 70-er Jahren seine Begeisterung für den brasilianischen Fußball. Im Alter von 15 Jahren versuchte er, als blinder Passagier per Frachter nach Rio de Janeiro zu gelangen, um Pele kennen zu lernen. Suzuki wurde aber erwischt und musste vier Jahre warten, bis er endlich am Fuße des Zuckerhuts stand. In Rio unterlief ihm ein schwerer Fauxpas, als er im Maracana-Stadion mit dem Trikot von Flamengo versehentlich in den Fan-Block des Erzrivalen Vasco da Gama geriet und Prügel nur knapp entging. "Die Fans haben geglaubt, dass sie es nur mit einem verrückten japanischen Touristen zu tun hatten", amüsiert sich Zico noch heute.

Ganz so auffällig sind die Übersetzer anderer Trainer nicht. So dolmetscht für Saudi-Arabiens Coach Paqueta der Marokkaner Fruhad Al-Majaer, und Irans Trainer Ivankovic hat sogar einen Professor der Sprachwissenschaften an seiner Seite. Dennoch ist der im Iran stark kritisierte und um seinen Job bangende Fußball-Lehrer unglücklich darüber, nicht besser mit seinen Spielern kommunizieren zu können: "Mein größter Fehler ist, die Landessprache nicht genug zu beherrschen."

Sein für Südkorea tätiger niederländischer Kollege Dick Advocaat setzt dagegen mehr auf Disziplin als auf Kommunikation: In seiner Zeit als Coach bei Borussia Mönchengladbach soll er die Mannschaftsaufstellungen vor dem Spiel einfach an die Kabinentür geheftet haben - ohne Worte. (APA/dpa)

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    Zico instruiert Hideotshi Nakata (re) und Akira Kaji, auf seinen Einsatz wartend: Kunihiro Suzuki (2. v. li)

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