Misshandelter Säugling: Tiroler Paar verurteilt

23. Juni 2006, 07:57
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Junges Paar soll versucht haben, Sohn mit "Schlägen auf den Kopf" zu "beruhigen"

Innsbruck - Nach mehrstündiger Beratung und Befragung zahlreicher Zeugen ist am Mittwochabend an einem Innsbrucker Geschworenengericht ein Aufsehen erregenden Prozess um den Tod eines Babys das Urteil gefallen. Das angeklagte junge Elternpaar wurde wegen der absichtlichen schweren Körperverletzung mit Todesfolge verurteilt.

Das Urteil lautete auf acht Jahre Haft für den 19-Jährigen, sieben Jahre für seine gleichaltrige Freundin. Die junge Mutter soll in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen werden. Die Mordabsicht verneinten die Geschworenen einstimmig. Das Urteil war vorerst nicht rechtskräftig.

Florian hatte nur ein paar Wochen gelebt. Welche Brutalität er in seinem kurzen Leben erfahren musste, "kann man sich nicht vorstellen", führte Staatsanwältin Erika Wander eingangs aus. "Wenn ich in derartiger Massivität auf das Köpfchen mit einem Umfang von 38 Zentimeter einschlage, dann rechne ich mit dem Tod", stellte Wander in ihrem Schlussplädoyer klar: "Das Gehirn war stark geschwollen." Mildernd wertete die Staatsanwältin die bisherige Unbescholtenheit der Teenager sowie die teilweisen Geständnisse.

Der Angeklagte hatte bei Polizei und Untersuchungsrichter die Misshandlungen bereits gestanden. Vor Gericht zog er diese Aussage zurück: "Das waren alles Erfindungen von mir. Ich habe versucht, meine Freundin zu schützen", sagte der 19-jährige Mann. Er habe gesehen, dass die 19-jährige Mutter dem kleinen Florian "leichte Ohrfeigen mit der flachen Hand" versetzt habe, die "nicht sonderlich fest" gewesen sein sollen.

In der Anklageschrift wurde beiden Teenagern eine "seelische Abartigkeit höheren Grades" attestiert: Es sei davon auszugehen, dass die Angeklagte durch "Konfrontation mit dem schreienden Kind nicht in der Lage gewesen sein könne, entsprechende Bewältigungsstrategien einzusetzen". Beide waren "nicht in der Lage gewesen, mit dieser Konfliktsituation adäquat umzugehen." (APA)

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