Graz: Frau lebte neben verwesender Leiche ihrer Schwester

22. Juni 2006, 09:27
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Geruch alarmierte Nachbarn, die eine Wohnungsöffnung veranlassten

Graz - Eine 72-jährige Grazerin hat mindestens 14 Tage neben ihrer verstorbenen Schwester gelebt. Erst als Verwesungsgeruch andere Hausparteien auf den Plan rief, wurde die Tote entdeckt. Die 74-Jährige dürfte eines natürlichen Todes gestorben sein.

Am Dienstag hatten Bewohner in einem Mehrparteienhaus am Grazer Eggenberger Gürtel intensiven Verwesungsgeruch wahrgenommen. Sie alarmierten die Polizei, die eine Wohnungsöffnung veranlasste. Dabei stieß man auf eine bereits stark verweste Frauenleiche.

Wie sich herausstellte, handelte es sich bei der Toten um die ältere von zwei an dieser Adresse gemeldeten Schwestern. Die Jüngere blieb zu nächst verschwunden, konnte aber einige Stunden später am Grazer Hauptbahnhof angetroffen werden. "Die Dame zeigte sich altersbedingt zeitlich nicht mehr orientiert", hieß es dazu von der Polizei.

Bei der Befragung konnte dennoch herausgefunden werden, dass die 72-Jährige den Tod ihrer Schwester einfach nicht wahrhaben wollte und sie daher weiterhin in der Wohnung lebte, ohne jemanden vom Ableben der Schwester zu informieren. Wann die 74-Jährige gestorben war, konnte die Frau nicht angeben. Auf Grund des Zustandes der Leiche ging die Polizei davon aus, dass der Todeszeitpunkt mindestens zwei Wochen zurückliegen dürfte.

Ein Fremdverschulden könne zwar ausgeschlossen werden, doch soll die Todesursache durch eine Obduktion geklärt werden, hieß es. Die Sozialamt wurde eingeschaltet, um die Betreuung der 72-jährigen Schwester sicherzustellen. (APA)

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