Unser Sonnensystem steckt in einer Million Grad heißer Gas-Blase

30. Juni 2006, 16:00
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Eiförmiges Gebilde mit Durchmesser von bis zu 2.000 Lichtjahren wurde von Supernovae in den Plejaden aufgeheizt

Wien - Wiener Astronomen haben die Wärmequelle - gleichsam den Ofen - für die uns umgebende kosmische Sauna entdeckt. Die so genannte Lokale Blase, in der wir uns befinden, ist ein Ort mit ungewöhnlich heißem, aber stark verdünntem Gas. Ohne diese Blase würden wir von der Erde aus deutlich weniger Sterne am Nachthimmel wahrnehmen.

Dass sich unser Sonnensystem in einer derartigen Blase befindet, fanden Astronomen durch Untersuchung der so genannten weichen Röntgenstrahlung heraus. Die Temperatur des Gases beträgt bis zu einer Million Grad. Da das Gas aber extrem stark verdünnt ist, würde es für einen interstellaren Astronauten keinerlei Wärmeempfinden auslösen.

Eiförmig und rund 2.000 Lichtjahre groß

Außerhalb unserer Lokalen Blase ist das Material kälter, aber auch dichter und in manchen Regionen erheblich weniger transparent. Unsere Blase ist ein riesiges, eiförmiges Gebilde mit einem Durchmesser von bis zu 2.000 Lichtjahren.

Die Wissenschafter machten sich auch Gedanken, was unsere Blase derart aufgeheizt haben könnte. Die anerkannteste Theorie besagt, dass so genannte Supernova-Explosionen von sehr massereichen Sternen als Energiequelle in Frage kommen. Um diese Theorie zu überprüfen, haben Wissenschafter um Dieter Breitschwerdt vom Institut für Astronomie der Uni Wien aufwändige Simulationen durchgeführt, in die alle Bewegungen der massereichen Sterne und der Gase unserer kosmischen Nachbarschaft Eingang fanden.

Gewaltige Supernovae in den Plejaden

Tatsächlich stieß Breitschwerdt auf die wahrscheinliche Quelle der Sternenexplosionen. Im Sternenhaufen der Plejaden gab es eine Untergruppe an Sternen, die groß genug war, um die gewaltigen Explosionen auszulösen. Ereignet haben sich die Supernovae in den vergangenen 15 Millionen Jahren. Dies konnte durch Zurückrechnen der Bahnen der "überlebenden Geschwister" jener Sterne ermittelt werden. Die fraglichen Sterne befinden sich heute in der 500 Lichtjahre entfernten "Scorpius-Centaurus-Assoziation".

Die Explosionen ereigneten sich bis vor rund einer Million Jahren, seither ist es ruhiger. Das bedeutet aber auch, dass das Gas zunehmend kälter und dichter wird, allerdings dürfte sich unsere Lokale Blase in "absehbarer" Zeit mit einer ähnlich gestalteten "Nachbar-Sauna" vereinigen. Für einige Millionen Jahre ist also noch ein unvernebelter Blick auf die Sterne garantiert. (APA)

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    Eine riesige Gasblase, ähnlich dem Nebel N44F rechts im Bild, umgibt unser Sonnensystem. Nun haben Wiener Astronomen die wahrscheinliche Ursache für die hohen Temperaturen dieser Gaswolke entdeckt.

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