Und Laura Bush sagt "great"

23. Juni 2006, 21:05
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First Lady empfängt Frauen und besucht Stephansdom - Besuch der Albertina als letzter Teil des Damenprogramms

Astha Kapoor war sichtlich aufgeregt. Immer wieder wiederholte die zierliche junge Inderin stumm, nur mit Lippenbewegungen, die Sätze, die sie Laura Bush sagen wollte. Zeit dafür hatte Kapoor ausreichend. Denn wer die First Lady treffen will, muss vor allem warten können.

Mehr als zwei Stunden vor ihrem Date begannen für Kapoor und ihre Kolleginnen von "Frauen ohne Grenzen"die Sicherheitskontrollen - hunderte Meter vom Treffpunkt im Hotel Intercontinental entfernt. Dann der Gang über menschenleere Straßen bis zur Festung Intercontinental, eskortiert von muskulösen Herren mit Ohrstöpseln, beobachtet von schwer bewaffneten amerikanischen Spezialeinheiten. Und dann - stundenlang Warten im Raum, bis der Platz hinter dem Namensschild "Mrs. Bush"besetzt ist.

Solche Umstände nahm das Quartett von "Frauen ohne Grenzen"in Kauf: Immerhin waren sie der einzige politische Termin der First Lady in Wien: In Budapest stattet Bush einer Kinderkrippe eine Visite ab, in Wien erwählte sie die von Edith Schlaffer 2001 gegründete NGO. Setzt sich doch "Frauen ohne Grenzen"für Frauenrechte in Afghanistan ein - und trifft sich damit mit einer der raren politischen Aktivitäten von Laura Bush.

Hochsymbolisches Treffen

So war das Treffen hochsymbolisch - auch wenn Bush nicht viel sagte. Mehr als "great", "oh", "mhm" und regelmäßiges freundliches Nicken war ihr selten zu entlocken. Egal, ob Schlaffer Anekdoten erzählte, etwa von den Schwimmkursen für Frauen in der Tsunami-Region. Oder vom Fußballprojekt für Frauen in Ruanda. Nur als Kapoor von ihrer Internet-Plattform für junge Mädchen in Indien berichtete, unterstützte Bush ihr Nicken mit einem Satz: "Sie haben recht, Sie müssen mit den Mädchen anfangen", lobte sie das Engagement.

30 Minuten lang sprachen die Frauen, 30 Minuten sagte Bush "great". Um dann zusammenzufassen: "Wenn Frauen ausgeschlossen sind, kann eine Gesellschaft nicht funktionieren."Gruppenfoto. Fragen? Nicht erlaubt. Abgang. Wenig später war für die nächsten das Warten auf Laura Bush beendet: Hunderte Schaulustige harrten in der Nähe des gesperrten Stephansplatzes aus, um einen Blick auf die First Lady zu erhaschen. Um 11.30 Uhr war es so weit: Bush verließ mit Kanzlergattin Krista Schüssel den Stephansdom. Um sich dann im Haas-Haus auszurasten und zu laben.

Dabei wartete schon der nächste auf sie: Albertina-Chef Klaus-Albrecht Schröder. Der dann eineinhalb Stunden im Damenprogramm Zeit bekam, Frau Bush und Frau Schüssel Mozart-Porträts zu erklären. Extra für den Besuch waren auch die Prunkstücke aus dem Tiefenspeicher geholt worden, etwa Dürers "Hase". Und Abgang. Dann der letzte Termin für die gelernte Bibliothekswissenschafterin Bush: Ein Besuch der Nationalbibliothek. Wo Bush der Amerika-Band des Atlas Bleau gezeigt wurde. Buchpatin - pikanterweise Ex-First-Lady Hillary Clinton. (Eva Linsinger, DER STANDARD - Printausgabe, 22. Juni 2006)

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    First Lady Laura Bush bewundert Albrecht Dürers berühmten "Hasen" in der Wiener Albertina.

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