Abramowitsch mischt Stahlbranche auf

26. Juni 2006, 11:35
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Oligarch erwirbt Mehrheit des größten russischen Stahlkocher Evraz ein, Gerüchte über Einstieg auch in Europa – Arcelor verschiebt Aktionärsversammlung

Luxemburg/Moskau – Vor dem Hintergrund der Schlacht um die Übernahme des luxemburgischen Stahlunternehmens Arcelor gab Russlands reichster Oligarch und Besitzer des Fußballclubs Chelsea, Roman Abramowitsch, seinen Großeinstieg ins Stahlgeschäft bekannt. Wenn die Regulierungsbehörden zustimmen, erwirbt die von ihm kontrollierte Investment-Gruppe Millhouse LCC 41 Prozent des größten russischen Stahlkochers Evraz Group. Analysten schätzen die Kaufsumme auf gut drei Mrd. Dollar. Evraz, die im Vorjahr den drittgrößten tschechischen Stahlproduzenten Vítkovice Steel erwarb, produzierte im letzten Jahr 13,9 Mio Tonnen Stahl und 12,2 Mio. Tonnen Walzstahl.

Konsolidierung

Erste Reaktionen aus Branchenkreisen deuten weitgehend übereinstimmend darauf hin, dass dies nur der erste Schritt Abramowitschs zu einem größeren Engagement im Stahlsektor ist. Vermutet wird, dass Evraz Group nun aktiver zu einer Konsolidierung russischer Stahlaktiva übergeht – ob nun aus spekulativen Interessen oder im Interesse des Staates, denn für beides eignet sich der kremlloyale Spekulationsmeister Abramowitsch. Eine Konsolidierung im russischen Stahlsektor wurde zuletzt vermehrt kolportiert. Dazu kommen Spekulationen über einen Einstieg Abramowitschs beim britisch-holländischen Stahlhersteller Corus, über dessen Kauf Evraz Group selbst bereits in Verhandlungen war.

Evraz selbst jedoch schloss nach den Worten seines Vizepräsidenten Andrei Teterkin am Dienstag "jegliche Art von merger" mit Corus aus. Dass Evraz seine für Akquisitionen freien zehn Mrd. Dollar zum Kauf mittelgroßer Konzerne wie die italienische Riva oder die deutsche Salzgitter AG verwenden könnte – wie ein anonymer Banker der Financial Times sagte –, wollte Teterkin nicht kommentieren.

Arcelor verschob Aktionärsversammlung

Im Übernahmekampf um den luxemburgischen Stahlkocher Arcelor beginnen die Beteiligten schärfer zu schießen. Arcelor verschob die für diesen Mittwoch anberaumte Aktionsversammlung auf 30. Juni. Ein Teil der Aktionäre hatte angekündigt, gegen die von Arcelor angestrebte Fusion mit der russischen Severstal zu stimmen. Bei der Versammlung hätte über einen Aktienrückkauf im Wert von 6,5 Mrd. Euro entschieden werden sollen, was gemäß Fusionsvertrag automatisch den Anteil der Russen an Arcelor von 32 auf 38 Prozent erhöht hätte. Damit will das Arcelor-Management eine feindliche Übernahme durch Mittal Steel abzuwehren. In großformatigen Anzeigen in Zeitungen appellierte Mittal an die Arcelor-Aktionäre, gegen eine Fusion mit Severstal zu stimmen. (Eduard Steiner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.6.2006)

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    Roman Abramowitsch, "Oligarch" mit Ambitionen

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