Regel 18 nicht außer Kraft

19. Juni 2006, 20:37
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Die FIFA bewertet die bisherigen Leistungen der Schiris positiv - Auch Öster­reichs letzter WM-Referee, Günter Benkö, ist zufrieden

Es gibt sie schon, die vielleicht nur Tagesform-bedingten Pfeifen unter den 21 Chef-Schiedsrichtern dieser WM. Etwa den Russen Walentin Iwanow, der sich nach Verunstaltung der Partie Frank- reich gegen die Schweiz heute, Dienstag, an Deutschland gegen Ecuador versuchen darf. Oder den Schweizer Massimo Busacca, der für seine Fehlpfiffe bei Spanien gegen die Ukraine mit der Leitung des zweiten Heulers des Tages, England gegen Schweden, belohnt wurde. Wie dem Mexikaner Benito Archundia die möglicherweise vorzeitige Pensionierung von Zinedine Zidane durch die umstrittene gelbe Karte im Spiel der Franzosen gegen Südkorea vergolten wird, steht in den Sternen. Dass er und sein Assistent einen regulären Treffer der Franzosen übersehen haben, lässt die Diskussion über den Fernsehbeweis wieder heftig aufflammen.

Insgesamt werden die Leistungen der Referees jedoch positiv bewertet. Der Weltverband FIFA ist sowieso enthusiasmiert; aber auch mittlerweile völlig unabhängige Stimmen werden zum Lob der Unparteiischen erhoben. "Die Schiedsrichter sind insgesamt gut, die Assistenten sogar sehr gut", sagt Günter Benkö, der letzte Österreicher, der bei einer WM an die Pfeife durfte. Für den 50-jährigen Burgenländer, der 1998 in Frankreich zwei Spiele leitete und zwei Jahre später bei der EURO in den Niederlanden und Belgien auf drei Einsätze kam - laut Notenschnitt im Fachmagazin kicker war Benkö damals sogar der beste EM-Schiri -, hat sich der längst überfällige Schritt, nur noch Schiedsrichtergespanne einzusetzen, bewährt. "Ich hatte bei der WM noch die ganze Palette, zum Beispiel einen Mann aus Trinidad &Tobago und einen aus Jamaika. Die waren gut, das war aber Glück. Die Verständigung war schwierig, eingespielt konnte man gar nicht sein. Bei dieser WM merkt man, dass sich die Herren gut kennen."

Mut und Anpassung

Auch FIFA-Schiedsrichter Fritz Stuchlik hebt die Leistung der Gespanne hervor. "Die Zahl der falschen Abseitsentscheidungen hat abgenommen, auch weil der Mut, zuzuwarten und weiterspielen zu lassen, gestiegen ist."Dem Wiener Stuchlik (40) imponieren auch die Vorstellungen der "so genannten Exoten"unter den Kollegen. "Das Leistungsgefälle zu den Europäern oder Südamerikanern ist nicht mehr festzustellen."

Benkös bisheriger Favorit ist Jorge Larrionda aus Uruguay, der bei Italien gegen die USA drei Spieler ausgeschlossen hat. "Das war eine heikle Partie. Er hat Entschlossenheit gezeigt."Stuchlik ist mehr von Lubos Michel angetan, der sich mit Paraguay gegen Schweden aufgewärmt hat. Der Slowake könnte gute Chancen auf höhere Weihen haben. Der 38-Jährige war bei der WM-Generalprobe Confederations Cup der Schiedsrichter des Endspiels.

Prinzipiell obliegen die Nominierungen ja der Schiedsrichterkommission der FIFA, allerdings wird behauptet, dass FIFA-Chef Joseph S. Blatter in seiner Zeit als Generalsekretär lebhaftes Interesse am Schiedsrichterwesen entwickelt habe und daher umso lieber Ratschläge erteilt, je weiter ein Turnier gediehen ist.

Auch die Verschärfung der Regelauslegung, die umzusetzen die Schiedsrichter bei der WM angehalten sind, ist ein Liebkind Blatters. Überproportional viele gelbe Karten (insgesamt 136 bis Montag) wurden wegen Unsportlichkeiten gezückt.

Strenge und Akzeptanz

In einer von derStandard.atdurchgeführten Umfrage beantworten 35,4 Prozent der User die Frage "Wird zu viel gekartet?"mit "Ja". 42,4 Prozent meinen, dass die Schiedsrichter genau richtig liegen, 22,2 Prozent wünschen noch härteres Durchgreifen. Ex-Kollege Benkö fordert Verständnis für die Referees. "Sie setzen nur um, was ihnen aufgetragen ist."Der Spanier Angel Maria Villar Llona, Vorsitzender der FIFA-Schiedsrichterkommission, versorgt die Kritisierten mit einem wohlfeilen Ratschlag. "Es gibt die 18. Spielregel, das ist der Menschenverstand. Den dürfen die Schiedsrichter anwenden." (DER STANDARD, Printausgabe, Dienstag, 20. Juni 2006

Sigi Lützow aus Köln
  • Bild nicht mehr verfügbar

    Jorge Larrionda schloss zwei US-Spieler sowie einen Italiener aus. Und erntete viel Lob.

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