Mumien-Ausstellung: Zwei Krankheitsgeschichten erstellt

26. Juni 2006, 14:52
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"Wolkenmenschen" in Wien untersucht: Forscher fanden Anzeichen für Tuberkulose, Knochen­erkrankungen ... und Paradontose wegen häufigen Koka-Genusses

Wien - Eigentlich keine Neuigkeit, aber jetzt ist es - belegt durch modernste Methoden - "amtlich": Die alten Inka hatten Tuberkulose. Die Forschungsgruppe "Muskuloskeletale Erkrankung" an der Medizinischen Universität Wien, die sich aus den Kliniken für Orthopädie, Rheumatologie, Physikalische Rehabilitation, Unfallchirurgie, Radiologie und dem Klinisches Institut für Neurologie zusammensetzt, untersuchte zwei peruanische Mumien, die an einer akuten Erkrankung am Skelett verstorben sind.

Zwei Krankengeschichten

Die beiden mumifizierten Menschen starben mit 14 bzw. 18 Jahren weisen dabei unterschiedliche Krankheitsgeschichten auf: Bei der "14-jährigen" Mumie zeigte sich nach der Computertomographie eine Knochenentzündung rund um das Kreuzgelenk. Des weiteren wurde ein großer Weichteilabzess festgestellt, der laut den Wissenschaftern eine Sepsis erzeugt haben könnte und eventuell die Todesursache darstellen könnte. "Die Ursache ist allerdings schwer nachvollziehbar", so Projektleiter Univ.-Prof. Dr. Herwig Imhof, Leiter der Uniklinik für Radiodiagnostik. "Wir gehen aber davon aus, dass es sich eher um eine akute Entzündung handelt", hieß es am Montag in einer Aussendung.

Bei der zweiten, "18-jährigen", Mumie wurde eine Knochentuberkulose im Bereich der unteren Lendenwirbelsäule diagnostiziert, die den Rückenmarkkanal angegriffen hat und anscheinend unbehandelt tödlich verlaufen ist. "Dass die Chachapoya generell unter Tuberkulose gelitten haben, zeigt auch das Röntgen der Lunge einer Mumie", so Imhof. Das Organ weist eine starke Überblähung mit zahlreichen Verkalkungen auf, was wiederum für eine Tuberkulose spricht. Die Lunge war von keiner akuten Erkrankung befallen. Generell stellte die Forschungsgruppe durch die 3D-Animation der insgesamt zwölf untersuchten Mumien einen Kleinwuchs fest (nicht über 1,5 Meter), keiner der Menschen war älter als 33 Jahre, was wiederum auf eine frühe Sterblichkeit schließen lässt.

Paradontose durch Kokagenuss

"Auch die Paradontose war weit verbreitet," erklärte Imhof. "Fast alle röntgenisierten Kiefer weisen einen starken Zahnfleischschwund auf, was auf den hohen Koka-Konsum zurückzuführen ist". Koka wurde und wird in Peru gekaut, um die Höhenlage (über 2.000 m) für den Menschen auszugleichen. Am kommenden Mittwoch werden die Forschungsergebnisse bei einer Ausstellung im Technischen Museum (21. Juni ab 17.00 Uhr) im Technischen Museum präsentiert. (APA)

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(mit weiteren Informationen zur Ausstellung und den parallel laufenden Forschungen)
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