USA aktivieren wegen Tests ihr Raketenabwehrsystem

3. August 2006, 15:41
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"Taepodong-2" soll Amerika und Europa erreichen können - mit Infografik

Washington - Als Vorbereitung auf einen möglichen nordkoreanischen Raketentest haben die USA nach einem Zeitungsbericht ihre neue landgestützte Raketenabwehr aktiviert. Dies sei eine "Option", eine nordkoreanische Rakete vom Typ Taepodong-2 (Daepodong), deren Reichweite groß genug ist, um US-Gebiet zu erreichen, während des Fluges zu vernichten, zitierte die "Washington Times" am Dienstag hochrangige US-Regierungsbeamte. Derweil äußerte sich Südkorea zurückhaltend zu angeblichen Plänen seines kommunistischen Nachbarn. Die US-Regierung teile diese Einschätzung, hieß es in Seoul.

Aegis-Schiffe alarmiert

Nach dem Bericht der "Washington Times" wurde das amerikanische Raketenabwehrsystem im Laufe der vergangenen zwei Wochen von "Test" auf "Einsatz" umgeschaltet. Zwei mit dem Aegis-Radarsystem ausgerüstete US-Kriegsschiffe patrouillierten als Teil des Raketenabwehrsystems in der Nähe von Nordkorea. Ihre Sensoren könnten den möglichen Start der Rakete erfassen und als Folge den Abschuss einer Abfangrakete von amerikanischem Boden aus auslösen.

Die USA verfügen bisher nur über ein begrenztes Abwehrsystem gegen ballistische Waffen. Dazu gehören 11 Langstreckenraketen, die teils in Alaska und teils in Kalifornien stationiert sind. Sie tragen so genannte Killer-Vehikel, die sich während des Fluges lösen und eigenständig ihr Ziel - den anfliegenden gegnerischen Raketensprengkopf - ansteuern. Viele Experten bezweifeln indessen, dass das System ausgereift ist und bemängeln, dass es bisher nie unter realistischen Bedingungen getestet worden ist.

Ein Sprecher der in Südkorea regierenden Partei Uri sagte nach einem Treffen der Parteiführung mit Regierungsvertretern, darunter Vereinigungsminister Lee Jong Suk, in Seoul, es gebe bisher keine schlüssigen Anzeichen dafür, ob Nordkorea eine solche Langstreckenrakete testen oder einen Satelliten starten wolle. Nach Einschätzung der Regierungen in Südkorea und den USA sei "schwer zu bestätigen, ob Nordkorea überhaupt das nicht identifizierte Objekt abfeuern will oder nicht".

US-Außenministerin Condoleezza Rice hatte am Montag Nordkorea nachdrücklich vor dem Test einer Langstreckenrakete gewarnt. Ein solcher Test würde "äußerst ernst" genommen. Sie teilte nicht mit, wie die USA auf einen derartigen Schritt reagieren würden. "Es wäre eine sehr ernste Angelegenheit und in der Tat ein provokativer Akt."

Betankung soll abgeschlossen sein

Nach Berichten südkoreanischer und amerikanischer Medien, die sich auf Geheimdienst- und Regierungskreise beriefen, könnte Nordkorea die Betankung der Rakete bereits abgeschlossen haben. Nach Ansicht von Experten könnte Nordkorea versuchen, durch einen solchen Test seine Position bei den festgefahrenen Sechs-Länder-Gesprächen über ein Ende seines umstrittenes Atomprogramms zu stärken.

China äußerte sich am Dienstag ebenfalls zurückhaltend. Die Sprecherin des Außenministeriums, Jiang Yu, sagte: "Wir wissen nichts Genaues. Die betreffenden Parteien sollten mehr tun, um Frieden und Stabilität zu sichern." Japan und Australien hatten dagegen wie die USA den stalinistischen Staat unter Androhung ernster Konsequenzen vor dem Test einer Langstreckenrakete gewarnt.

1989 überflog eine Taepodong Japan

Im nordkoreanischen Fernsehen hatte es nach Berichten der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap am Montagabend geheißen, Nordkorea habe das "Recht, Raketen zu besitzen, die Spionage- Aktivitäten der USA sofort beenden können". In diesem Zusammenhang bezog sich der Bericht auf einen russischen Medienkommentar, wonach nicht bewiesen sei, dass Nordkorea eine Langstreckenrakete entwickle. Nordkorea hatte im August 1998 die Region geschockt, als es ohne Vorwarnung eine mehrstufige Rakete vom Typ Taepodong-1 getestet hatte. Der Flugkörper hatte damals Japan überflogen und war in den Pazifischen Ozean gestürzt. (APA/dpa)

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"Washington Times": N. Korean threat activates shield

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Satellitenbild der Raketenbasis Nodong vom 24. Mai 2006.

  • Infografik: Reichweite nordkoreanischer Raketen

    Infografik: Reichweite nordkoreanischer Raketen

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