Bahn hat Börse im Visier

11. Juli 2006, 14:39
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Das ÖBB-Management will die Bahn fit für die Börse machen. Zeitpunkt und Form müsse der Eigentümer entscheiden, sagte ÖBB-Chef Martin Huber

Das ÖBB-Management will die Bahn fit für die Börse machen. Zeitpunkt und Form müsse der Eigentümer entscheiden, sagte ÖBB-Chef Martin Huber. Der in Angriff genommene neuerliche Umbau der Bahn soll die Schlagkraft des Unternehmens deutlich erhöhen.

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Wien – Nach der erfolgreichen Privatisierung der österreichischen Post könnte es in wenigen Jahren auch für die Bahn einen großen Bahnhof an der Börse geben. "Dort wollen wir hin", sagte ÖBB-Chef Martin Huber zum STANDARD. Aufgabe des Managements sei es jetzt, das Unternehmen so hinzutrimmen, "als ob es börsefit wäre". Den passenden Zeitpunkt und die geeignete Form für einen Börsegang zu bestimmen sei dann Aufgabe des Eigentümers Staat.

Am weitesten gediehen sind Bahn-Börsepläne in Deutschland. Dort wollen Regierung und Parlament noch heuer die Weichen stellen. Noch strittig ist allerdings die Form der Privatisierung. Während im Bundestag viele für eine Abtrennung des Schienennetzes von der Deutschen Bahn plädieren, um damit mehr Wettbewerb auf der Schiene zu ermöglichen, drängt das Bahnmanagement auf einen Börsegang in bestehender Form.

Umbau ohne Ende

ÖBB-Chef Huber, dessen Vertrag Ende Oktober 2009 ausläuft, hat sich jedenfalls ehrgeizige Ziele gesetzt. Er möchte erreichen, "dass alle im Konzern an einem Strang ziehen, dass die Qualität unserer Leistungen deutlich steigt und dass die ÖBB zu einem der attraktivsten Arbeitgeber in Österreich werden."

Wenn der Aufsichtsrat der ÖBB-Holding kommenden Dienstag grünes Licht gibt, wird es zuvor noch einige gröbere Umbauarbeiten geben. Insbesondere zwischen der ÖBB Infrastruktur Betrieb AG und der Bau AG ist eine klarere Aufgabenteilung vorgesehen. In dem Zusammenhang sollen mehr als 4000 Bauarbeiter von der Betriebs AG, in der sie bisher beschäftigt sind, in die Bau AG wechseln.

Die Planung und Entwicklung des Schienennetzes möchte der ÖBB-Chef in eine eigene, etwa 50 Personen starke Gesellschaft auslagern, die von Betrieb AG und Bau AG gemeinsam verantwortet wird. "Ziel ist eine integrierte Planung des Netzausbaus, um Stückwerk im Ausbau, wie dies in der Vergangenheit gelegentlich der Fall war, auszuschließen", sagte Huber.

"Feinabstimmung" notwendig

Weitere Umbauten unter dem Konzerndach schließt der ÖBB-Chef nicht aus. Die Grundstruktur der Bahn, also die Bündelung von Personenverkehr, Güterverkehr, Betrieb- und Bau AG unter einem Holdingdach sei "gut und richtig", sagte Huber. Damit habe man deutlich mehr Transparenz in die Abläufe gebracht, gesunken seien auch die Zuschüsse der öffentlichen Hand für gemeinwirtschaftliche Leistungen: von 1,8 Mrd. Euro 2004 auf 1,55 Mrd. Euro im Vorjahr.

Andererseits sei eine Weiterentwicklung und ständige Feinabstimmung zwischen den einzelnen Gesellschaften notwendig. Huber: "Wenn unsere Organisation in zwei Jahren noch genauso ausschauen würde wie heute, würde das heißen, dass wir uns von einem dynamischen in ein statisches Unternehmen zurückentwickelt haben. Das darf es nicht geben." (Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17./18.6.2006)

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    Blickt hoffnungsvoll in Richtung Börse und möchte, dass alle unter dem Bahn-Konzerndach an einem Strang ziehen: ÖBB-Vorstandschef Martin Huber.

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