Traditionelle Autoritäten unterstützen islamische Milizen

27. Juni 2006, 13:20
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Imam von Jowhar einigt sich mit Stammesältesten auf Verwaltungsstruktur - Internationale Somalia- Kontaktgruppe tagte erstmals

Jowhar/Washington - Durch ein Abkommen mit einflussreichen Stammesältesten haben die Islamisten in Somalia ihre Stellung im Land weiter gefestigt. Der Chef der Union der Islamischen Gerichte, Scheich Sharif Scheich Ahmed, einigte sich in der Nacht zum Freitag auf eine Machtteilung mit den Stammesfürsten der südlichen Stadt Jowhar. In New York kam hingegen erstmals die internationale Somalia-Kontaktgruppe zusammen. In der norwegischen UN-Vertretung trafen sich Vertreter der EU und der USA, Norwegens, Schwedens, Italiens, Großbritanniens und Tansanias. In Mogadischu protestierten mehrere tausend Menschen gegen die USA und jede "ausländische Einmischung".

Verwaltungsstruktur

Der Imam von Jowhar, Scheich Ibrahim Farah, sagte, die Stammesältesten hätten sich einverstanden erklärt, gemeinsam mit den islamischen Gerichten eine neue Verwaltungsstruktur aufzubauen. Dabei sollten die Ältesten die Verwaltung der rund 90 Kilometer nördlich von Mogadischu gelegenen Stadt übernehmen; die Milizen der Gerichte sollten hingegen für Sicherheit in der Region sorgen.

"Verantwortungsvolle Regierung"

Die Einberufung der internationalen Somalia-Kontaktgruppe sehen viele Beobachter als Eingeständnis US-Regierung, dass ihre bisherige Strategie - die Unterstützung der somalischen Clanchefs - gescheitert ist. An dem Treffen nahmen auch Beobachter der Afrikanischen Union (AU) und der UNO teil, jedoch kein Vertreter der somalischen Übergangsregierung. In einer nach dem Treffen veröffentlichten Stellungnahme räumten die Teilnehmer ein, dass es "keine einfachen Antworten" gebe. Die Kontaktgruppe wolle sich aber für eine "verantwortungsvolle Regierung" in Somalia einsetzen.

"Fahrt zur Hölle mit Eurer Demokratie"

Zwischen 6.000 und 7.000 Menschen folgten in Mogadischu einem Aufruf der Union der Scharia-Gerichte, gegen eine ausländische Einmischung zu protestieren. US-Präsident George W. Bush sei ein "Kriegsverbrecher", der "viele Menschen massakriert hat", hieß es auf Plakaten. "Fahrt zur Hölle mit Eurer Demokratie", lautete ein anderer Slogan, der sich auch gegen das Übergangsparlament richtete. Dieses hatte grünes Licht für den Einsatz einer internationalen Friedenstruppe gegeben.

Milizenchef Ahmed wies unterdessen erneut Vorwürfe zurück, die Scharia-Gerichte könnten Terroristen unterstützen. "Unsere Gemeinden haben länger als alle anderen Gemeinden in der Welt Terrorismus ertragen müssen", erklärte Ahmed in einem Brief an das US-Außenministerium und mehrere Botschaften in den USA, der von der "Washington Post" am Freitag veröffentlicht wurde. Viele Milizenführer hätten schmerzhafte Erfahrungen damit, was es heißt, wenn Familienmitglieder "von Kriegsherren und organisierten Banden entführt, gefoltert und ermordet" würden. Unter Führung der islamischen Gerichte werde Somalia auf keinen Fall "zum Durchgangsland oder Unterschlupf" von Terroristen.

Die USA fürchten eine endgültige Machtübernahme der islamischen Extremisten am Horn von Afrika. Somalia gilt als Zufluchtsort für Anhänger der Terrororganisation Al Kaida. (APA)

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    Milizsoldaten vor Mogadishu.

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