Weniger Geld für "Pfuscher"

28. Juni 2006, 15:11
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Studie der Uni Linz: Schwarzarbeit heuer mit 21 Milliarden Euro erstmals seit 1999 wieder unter zehn Prozent des BIP - Mit Infografik

Wien - Seit dem Jahr 2004 geht die Schattenwirtschaft in Österreich zurück. Heuer sollen Österreichs Pfuscher nur mehr 21 Mrd. Euro einnehmen, im Jahr 2004 waren es laut vorläufigen Ergebnissen noch 23 Mrd. Euro. Der Anteil der Schwarzarbeit am Bruttoinlandsprodukt (BIP) beträgt 9,5 Prozent und fällt somit erstmals seit 1999 wieder unter zehn Prozent, so das Ergebnis einer aktualisierten Studie des Ökonomen Friedrich Schneider von der Johannes Kepler Universität Linz.

Hauptgrund Dienstleistungsscheck

Als Hauptgrund für den Rückgang in Österreich nennt die Studie die Einführung des Dienstleistungsschecks am Anfang dieses Jahres, der laut der Studie zu einer "Entlastung und Vereinfachung bei den haushaltsnahen Dienstleistungen" führen soll. Österreichweit stammen 39 Prozent der Pfusch-Einkünfte aus den Branchen Baugewerbe und Handwerksbetriebe. Rund 17 Prozent der gesamten Pfusch-Erlöse werden mit haushaltsnahen Dienstleistungen wie Nachhilfe, Friseur oder Babysitten erwirtschaftet. Je 16 Prozent tragen Industriebetriebe und Dienstleistungsbetriebe (Hotels, Gaststätten und ähnliche) zur Schattenwirtschaft bei. Mit 12 Prozent hat die Unterhaltungs- und Vergnügungsbranche den geringsten Wertschöpfungsanteil an der Schattenwirtschaft.

In Wien, wo die Schattenwirtschaft quantitativ am stärksten ist, soll die Pfusch-Wertschöpfung von 6,38 Mrd. Euro (2004) auf heuer 5,81 Mrd. sinken. In Oberösterreich, dem zweitstärksten Pfuscher-Bundesland, soll die Schattenwirtschaft auf 3,5 Mrd. Euro zurückgehen, ein Minus von 260 Mio. Euro im Vergleich zu 2004. Niederösterreichs Pfuscher werden heuer 3,4 Mrd. Euro einnehmen, 2004 waren es laut Studie noch 3,7 Mrd. Euro. Auch im Burgenland, wo die Schattenwirtschaft laut der Studie die geringsten Summen erwirtschaftet, sinkt die Wertschöpfung aus dem Pfusch von 0,54 Mrd. Euro (2004) auf 0,48 Mrd. Euro.

Durchschnitt bei 14,5 Prozent

Im internationalen Vergleich ist die heimische Schattenwirtschaft vergleichsweise gering ausgeprägt. Der Wert der Schattenwirtschaft gemessen am offiziellen BIP liegt in Industrieländern durchschnittlich bei 14,5 Prozent. Nur in den USA, der Schweiz und in Japan wird weniger gepfuscht als in Österreich. Auch im Nachbarland Deutschland, wo die Schwarzarbeit-Quote 2006 bei 14,9 Prozent gemessen am BIP liegen soll, sind die Pfusch-Einkünfte in den letzten zwei Jahren deutlich zurückgegangen. Als Hauptgrund dafür nennt die Studie die im April 2004 eingeführten Mini-Job-Regelungen. Strengere gesetzliche Regelungen dürften nur wenig zur Senkung der deutschen Pfuscher-Quote beigetragen haben.

Ab 2007 dürfte die Schattenwirtschaft in Deutschland aber wieder ansteigen, so die Studie. Zwar werde die geplante steuerliche Absetzbarkeit von Kinderbetreuungs- und Pflegekosten eine Dämpfung nach sich ziehen, doch für 2007 prognostiziert die Studie einen Anstieg der Schattenwirtschaft in Deutschland um 2,5 bis 3,5 Mrd. Euro. Die Hauptgründe dafür seien die in Deutschland geplante Anhebung der Mehrwertsteuer von 16 auf 19 Prozent und die mögliche Anhebung der Versicherungsbeiträge für gewerbliche Mini-Jobs. (APA)

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    Infografik: Schattenwirtschaft rückläufig

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