"Ungewöhnlich frühe Entscheidung"

14. Juni 2006, 10:22
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Der Nachfolger für Klaus Bachler ist gefunden: Der deutsche Regisseur Matthias Hartmann wird für fünf Jahre das Burgtheater leiten

Wien - Georg Springer, Chef der Bundestheaterholding, war bei der kurzfristig anberaumten Pressekonferenz, die Kunststaatssekretär Franz Morak (ÖVP) am Dienstag gab, ein eher steinerner Gast am Podium. Seine einzige Funktion war es, das Vorgehen zu legitimieren: Morak hätte, sagte er, dem Bundestheaterorganisationsgesetz Genüge getan.

Laut diesem erfolgt die Bestellung des künstlerischen Geschäftsführers durch den Bundeskanzler - "nach Anhörung des Aufsichtsrates". Und dieser sei bereits letzten Mittwoch angehört worden. Was Mitglieder des Aufsichtsrates aber in Abrede stellen: Sie hatten keinen Kommentar zur Bestellung von Matthias Hartmann abgeben dürfen. Denn Morak nannte den Namen gar nicht: Er informierte das Gremium nur über das, was es längst wusste: dass ein Direktor gesucht und die Entscheidung vor Beginn der Salzburger Festspiele fallen werde.

Morak hielt sich (unter Herausnahme eines Magazins, das die "fabulöse Entscheidung" schon vor der offiziellen Bekanntgabe lobte) peinlich bedeckt: Er setzte nicht einmal Direktor Bachler über den Nachfolger in Kenntnis.

Nun denn: Matthias Hartmann wird das Burgtheater ab dem Herbst 2009 zunächst für fünf Jahre leiten. Er habe sich, so Morak, als der "bestgeeignete Kandidat herauskristallisiert" und schon bisher, in Bochum und seit vergangenem Herbst in Zürich, bewiesen, dass er "Erfolg mit hohem künstlerischem Anspruch und Professionalität mit Leidenschaft zu verbinden weiß". Hartmann sei ein "offener, zielgerichteter Vielarbeiter".

Es habe sich herausgestellt, dass eine rasche Entscheidung im Sinne aller sei - "um im Burgtheater einen fließenden Übergang zu ermöglichen und um der Stadt Zürich einen langfristigen Planungshorizont zu ermöglichen." Denn Hartmann wird das dortige Schauspielhaus ein Jahr vor Vertragsende verlassen. Er selbst sprach von einer "ungewöhnlich frühen Entscheidung" und einer "ungewöhnlich langen Vorbereitungszeit". Erst in zwei Jahren werde er seine konkreten Pläne darlegen. Über mögliche Schauspieler, die er mitbringen will, oder künstlerische Partnerschaften wollte er daher noch nichts preisgeben.

Und zur finanziellen Lage - die Burg schafft aufgrund der gedeckelten Basisdotierung eine ausgeglichene Bilanz nur mit Zuwendungen der Holding - äußerte er sich nur vorsichtig: "Jeder Intendant, der sagt, er hat genug Geld, ist ein Trottel." Aber es sehe derzeit so aus, als wäre es machbar.

Er streute dem Burgtheater, an dem er dreimal inszenierte, viele Rosen: Aufgrund seiner Einzigartigkeit sei es eine "Lebensperspektive". Die Burg sei das "interessanteste Theater der Welt", das Akademietheater ein "Schatzkästchen", das Kasino ein Ort "für formal-ästhetische Versuche". Und als "Nationaltheater" brauche es zwar eine Ausrichtung, es müsse sich aber nicht gegenüber einem anderen Haus profilieren.

Die von Morak (wieder-)bestellten Direktoren waren voll des Lobes. Herbert Föttinger (Theater in der Josefstadt) bezeichnete Hartmann als "großen Gewinn für die österreichische Theaterlandschaft", Staatsoperndirektor Ioan Holender sprach von einer "sehr guten und klugen Wahl". Und Robert Meyer, Volksopernchef ab dem Herbst 2007, freut sich auf die Zusammenarbeit.

Es gab Zustimmung selbst von der SPÖ: Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny bezeichnete Hartmanns Designierung als "vernünftige und erfreuliche Entscheidung mit Pepp". Laut SPÖ-Kultursprecherin Christine Muttonen verspreche der "Wirbelwind der internationalen Theaterszene" ein "ambitioniertes Programm": Die Besucher "können sich somit auf großes Theater gefasst machen".

In Zürich hingegen bedauert man Hartmanns Weggang, zeigt aber Verständnis: Eine Berufung ans Burgtheater sei für jeden Intendanten "die allerhöchste Stufe in der künstlerischen Laufbahn", so der Verwaltungsrat des Schauspielhauses. "Uns bleibt der Trost zu wissen, dass Zürich offenbar ein gutes Sprungbrett zu höchsten künstlerischen Ehren darstellt." (Thomas Trenkler/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14./15. 6. 2006)

  • Ein Theatermacher am Ballhausplatz: Franz Morak und Georg Springer (re.) lauschen Matthias Hartmann.
    foto: standard/cremer

    Ein Theatermacher am Ballhausplatz: Franz Morak und Georg Springer (re.) lauschen Matthias Hartmann.

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