Deutschland ist heiß

14. Juni 2006, 22:54
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WM-Gastgeber am Mittwoch mit Ballack gegen Polen, zweifacher WM-Dritter bat auch um "Segen von oben"

Dortmund/Wien - Deutschland hat in Dortmund (zwölf Siege, ein Remis) noch kein Fußball-Länderspiel und überhaupt noch nie in der Geschichte gegen Polen (zehn Siege, vier Remis) verloren. Am Mittwoch zum Auftakt der zweiten Gruppen-Runde im Pool A der 18. Fußball-WM möchten die Hausherren ihre Weiße Weste wahren. Die Polen sind hingegen zum Siegen verdammt, denn nach dem 0:2 im ersten Spiel gegen Ecuador ist für sie der Abschied näher als das Achtelfinale.

Die Deutschen können hingegen gegen "Polska", den Zweiten der österreichischen Quali-Gruppe, als erster WM-Teilnehmer den Aufstieg perfekt machen. Sollten sie nach dem 4:2 gegen Costa Rica auch die Polen schlagen und Ecuador am Donnerstag in Hamburg gegen die Mittelamerikaner nicht verlieren, dann wäre die DFB-Elf fix in der Runde der letzten 16. "Ja, wir wollen versuchen, das vorzeitig zu schaffen", gab der wieder fitte Michael Ballack, der gegen Costa Rica durch Tim Borowski ersetzt worden war, das Ziel aus.

"Alles im grünen Bereich"

Teamchef Jürgen Klinsmann hat letzte Bedenken um einen Einsatz seines Kapitäns und Regisseurs bereits ausgeräumt. Michael habe auch nach dem zweiten Belastungstest im Geheimtraining über keine neuen Beschwerden in der rechten Wade geklagt, "es ist alles im grünen Bereich", verkündigte der 41-Jährige, der die nach dem ersten Spiel aufgeflammte Debatte über die Abwehrschwäche seiner Elf übrigens für übertrieben hält.

Im Eröffnungsspiel seien der Defensive nur zwei Fehler unterlaufen. Diese hätten aber leider zu zwei Toren geführt, wovon das zweite aber abseits gewesen sei, sagte der Bundestrainer, der den gegen Costa Rica schlecht spielenden Arne Friedrich in Schutz nahm. "Wir haben keine Probleme mit Arnes Position. Wenn ein Spiel mal nicht so gut läuft, ist es kein Problem." Sicher ist sich Klinsmann auch, dass ein extrem hartes Spiel seiner Truppe bevorsteht. "Da wird es zur Sache gehen."

Polen mit dem Rücken zur Wand

Miroslav Klose, wie Sturmpartner Lukas Podolski in Polen geboren und zweifacher Torschütze gegen Costa Rica, rechnet mit bis in die Haarspitzen motivierten Polen. "Die werden mit dem Messer zwischen den Zähnen auf uns losgehen." Zu den Abwehr-Diskussionen sagte der Bremer Torjäger, die Offensive sei "schon recht ordentlich" gewesen, doch hake es noch beim Umschalten von Angriff auf Abwehr. "Das hat gegen Costa Rica nicht so gut geklappt".

Die Polen haben ganz andere Sorgen, sie stehen mit dem Rücken zur WM-Wand, müssen den vorzeitigen Abschied abwenden. Die Stimmung vor dem frühen "Endspiel" ist dementsprechend gereizt, die Vorbereitung war teilweise kurios. Sie reichte vom Kirchenbesuch über eine Krisensitzung bis zur klassischen Kampfansage. "Wir lieben solche Spiele, in denen wir das Messer schon an der Kehle haben. Ich glaube, wir können bestehen", meinte der Ex-Kaiserlauterer Kamil Kosowki.

Radomski vielleicht nur Ersatz

Selbst der sonst wenig auskunftsfreudige Teamchef Pawel Janas, der anstelle des defensiven Austrianers Arek Radomski im Mittelfeld Ireneusz Jelen aufbieten könnte, ließ sich Markantes entlocken: "Wir spielen ums Überleben!" Der 25-jährige "Hausherr" Ebi Smolarek, der für die Borussia spielt, kündigte an: "Es bleibt nur noch eins: Deutschland zu schlagen." Torhüter Artur Boruc verdeutlichte die Stimmung am treffendsten: "Wir sind wie ein Boxer, der stark angeschlagen ist. Einige wollen schon aufgeben, das Handtuch werfen. Aber wir müssen kämpfen."

Die Polen, die in der Heimat als "Janas Mädchen" verspottet werden, versuchen sich jedenfalls Mut zu machen. Einige Profis waren laut Verbandspräsident Michal Listkiewicz in Hannover in der Kirche zum Beten, einige Spieler trafen einander zu einer Krisensitzung, um sich gemeinsam einzuschwören. "Wenn wir ängstlich spielen, werden uns die Deutschen 5:0 schlagen und wir werden voller Scham heimfahren. Deswegen sage ich, wir müssen zeigen, dass wir Courage haben. Gegen Deutschland spielen wir um unsere Würde", meinte Michael Zewlakow, einer der Wortführer im Team.(APA/dpa/Reuters/AP)

  • DEUTSCHLAND - POLEN (Dortmunder Stadion, 21 Uhr, Schiedsrichter: Luis Medina-Cantelejo/Spanien):

    Deutschland: 1 Lehnmann - 3 Friedrich, 17 Mertesacker, 21 Metzelder, 16 Lahm - 19 Schneider, 8 Frings, 13 Ballack, 7 Schweinsteiger - 11 Klose, 20 Podolski Es fehlen: Hanke (gesperrt), Hildebrand (Rückenverletzung)

    Polen: 1 Boruc - 4 Baszczynski, 2 Jop, 6 Bak, 14 Zewlakow - 15 Smolarek, 16 Radomski oder 21 Jelen, 7 Sobolewski, 10 Szymkowiak, 8 Krzynowek - 9 Zurawski

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      Alle stehen hinter Klinsi.

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