Eisenbahngewerkschafter Wilhelm Haberzettl

7. Juni 2000, 23:48

Mit vollem Dampf für die Eisenbahn
Michael Völker

Wenn sein starker Arm es will, stehen alle Züge still. Wilhelm Haberzettl, Chef der Eisenbahnergewerkschaft, ist sich seiner Macht durchaus bewusst. Er vertritt 52.000 aktive Eisenbahner. Haberzettl ist sich aber auch der Tatsache bewusst, dass das Image der Eisenbahner in der Öffentlichkeit nicht das beste ist. Einen Streik soll es geben, da ist sich der Sozialdemokrat sicher, er soll aber moderat ausfallen: "Wir werden mit Sicherheit nicht gleich volle Wäsch' einefahren."

Dass 47.000 Eisenbahner, die noch im alten Pensionssystem verblieben sind, bereits mit 53 Jahren in Pension gehen dürfen und dass ihnen eine Erhöhung des Pensionsantrittsalters auf 54,5 Jahre nicht zuzumuten sei, will Haberzettl inhaltlich gar nicht mehr argumentieren. Die Regierung - die vorige allerdings - habe das bei der letzten Pensionsreform zugesagt, außerdem würde ein Eingriff rechtlich nicht halten, ist der Eisenbahner überzeugt.

Mit seiner harten Linie macht sich der 45-jährige Vorsitzende der Eisenbahnergewerkschaft - er wurde im September vergangenen Jahres gewählt - nicht nur bei der schwarz-blauen Regierung unbeliebt. "Man wird einsamer", sagt er. "In solchen Positionen ist es so, dass man auf einmal hübsch allein ist bei Entscheidungen. Sie werden gerne von unten nach oben delegiert, dafür werden sie dann umso heftiger kritisiert." Er sei es aber gewohnt, Entscheidungen zu treffen, "ich war 25 Jahre lang Fahrdienstleiter".

Die Einsamkeit trifft bei Haberzettl auch im privaten Bereich zu. Die Beziehung hat der Belastung durch den beruflichen Einsatz nicht mehr standgehalten. Der gebürtige St. Pöltner wohnt schon mehr im Büro, nach Hause geht er eigentlich nur, um die Wäsche zu wechseln.

Haberzettl hat sich ganz der Bahn verschrieben. Aufgewachsen ist er an der Maria Zeller Bahn in Hofstetten-Grünau. Eisenbahner zu werden war logisch, der Vater war es auch. 1976 wurde er Vertrauensmann, da war er in Bruck-Fusch Fahrdienstleiter. Haberzettl folgte der Westbahn nach Zell am See und Salzburg, 1993 übersiedelte er nach Wien. Fast überflüssig zu erwähnen, dass auch sein Sohn Eisenbahner ist.

Als Haberzettl im vergangenen Jahr schließlich zum Vorsitzenden der Eisenbahnergewerkschaft gewählt wurde, hatte er diese Funktion bereits zweimal vorübergehend ausgeübt. Das erste Mal sprang er 1995 als frisch gewählter Stellvertreter für Franz Hums ein, der als Sozialminister in die Regierung berufen wurde. 1997 musste Haberzettl abermals die Geschicke der Eisenbahner selbst in die Hand nehmen, als sein Chef während der Verhandlungen über die Reform der ÖBB-Pensionen einen Gehirnschlag erlitt. Und so war es nur konsequent, den "Kampfprofi" gleich selbst zum Chef zu machen.

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