Stockerau sitzt auf 160.000 Tonnen Müll

12. Juni 2006, 16:17
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Nach Großbrand auf Deponie - Abfallbehandlungsfirma meldete Konkurs an - Zwangsräumung des verbrannten Mülls angeordnet

Stockerau - Wie die Stockerauer - SPÖ-dominierte - Stadtregierung mit "schon lange brennenden" Problemen auf der Mülldeponie umgeht, empört die Oppositionsparteien. In einer gemeinsamen Pressekonferenz haben VP-Vizebürgermeisterin Christa Niederhammer, Grüne, FPÖ und Unabhängige gestern, Freitagabend, die Informationspolitik insgesamt und insbesondere nach dem Großbrand am 23. Mai bemängelt und auf das massive Umweltrisiko verwiesen.

Insgesamt "sitzt" die Gemeinde im Bezirk Korneuburg auf rund 160.000 Tonnen Abfall, der zu entsorgen sei. Auf Gemeindegrund habe ein Betrieb, der seit einem Jahr nicht mehr über eine Betriebsgenehmigung verfügte, ein Jahr lang illegalen Müll angehäuft, brachte Gemeinderat Werner Bolek die Vorwürfe auf den Punkt. Die Gemeinde habe ihre Verantwortung als Grundeigentümer nur mangelhaft wahrgenommen, so Niederhammer.

Gewerbemüll

Die ABS Abfallbehandlung habe rund 100.000 Tonnen Gewerbemüll gelagert, wurde auf das massive Umweltrisiko durch Sickerwasser und auch im Falle eines Feuers verwiesen. Der jüngste einer Reihe von Bränden hatte einen Großeinsatz der Feuerwehr bedingt, die Rauchsäule war weithin zu sehen. Die Bevölkerung wurde aufgefordert, die Fenster geschlossen zu lassen - die Warnung galt auch für Schulen und Kindergärten im auf der anderen Seite der Donau liegenden Klosterneuburg.

Die Firma ABS habe vorgestern, Donnerstag, Konkurs beantragt, laut KSV (Kreditschutzverband) sind 60 Gläubiger betroffen. Seitens der zuständigen Bezirkshauptmannschaft Korneuburg sei gestern die Zwangsräumung veranlasst und die AVN damit beauftragt worden. Der verbrannte Abfall muss bis September entfernt werden.

Mit der Insolvenz dürfte auf die Gemeinde ein weiteres finanzielles Problem zukommen: Laut dem 2001 geschlossenen Vertrag sollte die ABS auch die teilweise Räumung einer überschütteten, abgedichteten alten Deponie übernehmen. Laut Bescheid seien bis März 2007 60.000 Tonnen abzubauen und zu entsorgen. Die geschätzten Kosten von sechs Mio. Euro könnten nun der Gemeinde zufallen, wurde befürchtet. Insgesamt könnte sich die Causa auch in höheren Müllgebühren niederschlagen, so die Gemeinderäte.

Nach Stockerau wurde der Abfall von 18 Gemeinden zur mechanisch-biologischen Behandlung angeliefert. Nachdem die Müllberge - unbehandelt - immer größer wurden und Anfragen unbeantwortet blieben, wurde Ende 2005 ein Prüfungsausschuss eingerichtet, zuletzt auch ein Sonderausschuss, zumal die Firma auch erhebliche Rückstände gegenüber der Gemeinde hätte. Was den Ärger über die mangelhafte Information nun aktuell vergrößerte: Am Mittwoch wurden die Themen Müllbehandlung und Großbrand, über dessen Schadstoffausstoß bis dato keine Angaben vorlägen, im Gemeinderat kurzerhand in den nichtöffentlichen Teil verlegt. (APA)

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    Nach dem Brand der Deponie bleibt der Müll ein Problem

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