Mehrere deutsche Bistümer setzen Windows 2000 vorerst nicht ein

7. Juni 2000, 16:48

Wegen möglicher Rolle von Scientology bei Programmentwicklung

Das Computer-Betriebssystem Windows 2000 von Microsoft wird von einigen katholischen Bistümern in Deutschland wegen einer möglichen Verstrickung der Scientology-Organisation in die Programmentwicklung vorerst nicht eingesetzt. Sowohl das Bistum Limburg als auch das Bistum Berlin riet seinen Pfarreien von einem Einsatz ab. "Das ist eine Vorsichtsmaßnahme, weil ein Programmteil von einer Firma entwickelt wurde, deren Geschäftsführer bekennender Scientologe ist", sagte der Limburger Diözesan-Sprecher Michael Wittekind am Mittwoch. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) in Bonn wird demnächst prüfen, ob die Nutzer-Daten bei einem Einsatz von Windows 2000 sicher sind.

Nach Darstellung Wittekinds wurde die Empfehlung bereits Anfang Mai vom Verband der Diözesen Deutschlands verabschiedet. Auch Behörden, unter anderem die Dienststellen des Freistaats Bayern, wollen die Überprüfung des Bundesamtes vor einem Einsatz der Software abwarten. Wie ein Sprecher des BSI am Mittwoch sagte, sei in diesem Zusammenhang noch im Juni mit einer Vereinbarung des Bundesamtes mit Microsoft zu den Prüfungsmodalitäten zu rechnen.

Diskeeper stammt von Scientology-Firma

Das im Februar in Deutschland eingeführte Nachfolge-System von Windows NT ist wegen des Einsatzes einer Software-Komponente zur Pflege und Wartung der Festplatte in die Schlagzeilen geraten. Das Programm mit dem Namen "Diskeeper" hat Microsoft von der kalifornischen Firma Executive Software zugekauft, deren Chef Craig Jensen sich offen zu seiner Mitgliedschaft bei Scientology bekennt. Seit vergangenem Dezember wird vor allem in Deutschland kontrovers diskutiert, ob mit Hilfe von Diskeeper Daten auf der Festplatte ausgespäht werden können. Microsoft hat dies stets dementiert.

"Wir trauen den Scientologen nicht über den Weg", sagte Wittekind. Weil Scientology öffentlich erklärt habe, in deutschen Unternehmen Fuß fassen zu wollen, habe das Bistum erhebliche Bedenken. Auch das Bistum Berlin hat in einem internen Schreiben vom Einsatz von Windows 2000 abgeraten und zunächst die Weiterverwendung von Windows NT und Windows 98 empfohlen.

Das BSI will vor allem überprüfen, ob Anwenderdaten von der Festplatte unbemerkt an Dritte weitergeleitet werden könnten, erläuterte Dickopf. Mit den möglichen Verwicklungen von Scientology befasse sich das BSI aber nicht, machte Dickopf klar. Das BSI sei eine rein technische Behörde zur Prüfung der Sicherheit. (APA/dpa)

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