Musikrundschau: Schuld und Sühne

8. Juni 2006, 19:22
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Neue Alben von Sonic Youth und Wovenhand

SONIC YOUTH
Rather Ripped

(Universal)
Nach 25 Jahren Jungsein in einem Geschäft, das dieses programmatisch zu seinem Hauptinhalt gemacht hat, kommt das neue Album des nach dem Abgang von Produzent und Gitarrist Jim O'Rourke wieder zum Quartett verschlankten New Yorker Underground- und melodischen Noise-Rock-Urgesteins erst einmal etwas müde und ambitionslos daher. Immerhin klingen selbst die früher erheblich "avantgardistischen" Lärm-Schlieren von Sonic Youth heute längst bis hinein in den Mainstream nach. Mit hübschen 70er-Jahre-Rock-Paraphrasen und der altbewährt charmant sprechsingenden Kim Gordon am Bass und Ehemann Thurston Moore als zweiter Frontfigur wird hier mit zurückgenommenen und weniger als früher verzerrten Songs wie dem Opener Reena oder What A Waste allerdings nahtlos an alte Großtaten aus den 80er-Jahren angeschlossen. Wer trotzdem nur ein oder zwei Sonic Youth-Alben in seinem Haushalt stehen haben will: Sister aus 1987 und Daydream Nation aus dem Folgejahr bleiben ungeschlagen. Allerdings gilt auch 2006 noch: Respekt!

WOVENHAND
Mosaic

(Glitterhouse/Hoanzl)
David Eugene Edwards, vormals beim düsteren Südstaaten-Blues-Punk-Trio 16 Horsepower beschäftigt, wildert mit seiner neuen Band Wovenhand nach wie vor in jenen Sümpfen aus Schuld und Sühne, die zuvor auch schon William Faulkner, Flannery O'Connor, Nick Cave oder Jeffrey Lee Pierce durchstreiften. Nach seinem fantastischen Album Folklore geht es also ein weiteres Mal hinunter in jene Bereiche, in denen zwischen Leben und Tod nicht mehr allzu viele Unterschiede gemacht werden. Wenn die britischen Düstermänner Joy Division illegale Schwarzbrenner im Mississippi der Depressionszeit gewesen wären... (schach / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.6.2006)

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