Braunbär Bruno erschreckte Hüttenwirt in Tirol

12. Juni 2006, 16:53
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Vermutlich war der meist gesuchte Bär Europas hinter Schafen her - WWF wartet auf Genehmigung für Bärenhunde

Innsbruck - Der aus dem Trentino stammende Braunbär "JJ 1" hält seine "Jäger" weiter auf Distanz. Nach jüngsten Sichtungsmeldungen könnte sich der meist gesuchte Bär Europas mittlerweile im Tiroler Karwendelgebirge aufhalten. In Tirol wurde weiter versucht, das Tier zu lokalisieren und dann zu betäuben. Sollte dies in den nächsten Tagen nicht gelingen, dürften finnische Experten mit ihren Hunden zum Einsatz kommen, hieß es am Donnerstag aus dem Landhaus.

Am Mittwochabend soll das Tier beim Solsteinhaus oberhalb von Zirl im Bezirk Innsbruck-Land gesichtet worden sein. Als der Hüttenwirt und dessen Freundin nach ungewöhnlichen Geräuschen Nachschau halten wollten, habe der Bär fluchtartig das Weite gesucht. Seine Freundin Jenny (23) habe beim Schlafengehen ungewöhnliche Laute gehört, berichtete Hüttenwirt Robert Fankhauser der APA. Als die beiden nach draußen gegangen seien, habe "JJ 1" zwischen der auf 1.805 Metern Höhe gelegenen Hütte und einem Nebengebäude die Flucht ergriffen. Seine Beobachtungen seien am Donnerstag bestätigt worden. Bei Tagesanbruch habe er zwischen 15 und 20 Zentimeter große Abdrücke von Bärentatzen gesichtet.

Spuren authentische

Der WWF hielt die Spuren am Donnerstag bei einer Nachschau für authentisch. Man hoffe, den Bären betäuben und ins Trentino zurück bringen zu können, erklärte eine Sprecherin. Die immer wieder ins Spiel gebrachte Bärenfalle könnte als Transportmittel für den betäubten Bären dienen. Da "JJ1" bisher nie mehr an ein und denselben Ort zurückgekehrt sei, dürfte ein Einfangen mit Falle eher unwahrscheinlich werden.

Möglicherweise war der Bär im Karwendel wieder hinter Schafen her. In dem Gebiet seien zwischen 400 und 500 Schafe aufgetrieben. Die Tiere seien in dem weitläufigen Gelände verstreut. Verendete oder verletzte Tiere habe er nicht finden können, berichtete der Hüttenwirt. Das Solsteinhaus ist beliebtes Wanderziel im westlichen Karwendel. Die Alpenvereinshütte befindet sich zweieinhalb Stunden oberhalb von Zirl.

Genehmigung für Bärenhunde

Die Tierschutzorganisation WWF wartet derweil noch auf die Genehmigung für die finnische Bärenhundestaffel. Die 25.000 Euro teure Unterstützung soll beim Fang des seit Wochen durch das tirolerische-bayerische Grenzgebiet streunende Braunbär helfen.

Auch die Spuren des Tieres vom Dienstag im Siedlungsgebiet von Leutasch (Bezirk Innsbruck-Land) wurden bestätigt. In der Nacht auf Dienstag habe "JJ1" einen Hasenstall direkt an einem Wohnhaus geplündert. Doch trotz intensiver Fangbemühungen von Tierschutzorganisationen, die allein den WWF inzwischen 70.000 Euro gekostet haben, war das Tier vorerst weiterhin auf freiem Fuß. "Wir warten immer noch auf das Okay vom Land Tirol für den Einsatz der Hunde. Ohne die macht unsere Arbeit keinen Sinn, das haben wir in den letzten drei Wochen gesehen", sagte WWF-Sprecherin Susanne Grof. Falls die Zusage von Agrarlandesrat Anton Steixner (V) bis Donnerstag nicht erfolge, werde die Organisation ihre Bemühungen rund um den Bären "auf Sparflamme" weiterfahren müssen. "Nach einem Blick in unsere Kassen müssen wir uns dann überlegen, wie und ob wir fortfahren", sagte Grof.

Bär traut sich nicht mehr zurück

"Da 'JJ1' im Trentino aus der Nähe von Menschen verjagt worden war, traut er sich nun nicht mehr zu einem Ort und den von ihm gerissenen Tieren zurück zu kehren", erklärte Grof das abnormale Verhalten des Tieres, das die Fangbemühungen erheblich erschwert. Die Vertreibung des Bären in Italien sei damals "nicht nach allen Regeln der Kunst" erfolgt. Der Bär folge seinem Instinkt und reißt Schafe. Den Instinkt, immer wieder zurück zu kommen, um sie zu fressen, hätte er aber verloren. "Am liebsten mag er das Fleisch, wenn es schon etwas angefault ist. Aber er traut sich nicht mehr zurück", sagte die Tierschützerin. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Mitarbeiter des WWF warteten bisher umsonst auf Bruno mit ihrer speziell angefertigten Bärenfalle. Im Aluminiumbehälter könnte der Bär per Auto oder Hubschrauber transportiert werden.

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