U2: Es darf wieder gebuddelt werden

20. Juli 2006, 17:34
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Rechtsstreit mit zwei Hauseigentümern ist beendet - trotz Verzögerung soll zur Fußball-EM 2008 eröffnet werden

Der zähe Rechtsstreit mit zwei Hauseigentümern ist soweit beendet, dass unter der Leopoldstadt die letzten 120 Meter Tunnel gegraben werden dürfen. Trotzdem müssen die Arbeiten bis zur Fußball-EM 2008 "extrem komprimiert" fortgesetzt werden.

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Wien – Vizebürgermeister Sepp Rieder (SP) durchschneidet ein Band, der Baggerfahrer vor ihm startet sein Gerät, es tuckert vor sich hin – und bleibt stehen. Der Akt war auch nur ein symbolischer – schließlich war der "Brigitte"-Stollen unter der Leopoldstadt schon vor Jahren von Rieders Vorgängerin Gitti Ederer angestochen worden. Trotzdem wurden Mittwochvormittag die Arbeiten aufs Neue und vor allem erleichtert wieder aufgenommen. Denn endlich können die letzten 120 Meter in Richtung Donaukanal zu Ende gebuddelt werden.

Jedes rechtliche Mittel ausgekostet

Zwei Hauseigentümer nahe dem Donaukanal hatten sich gegen den Bau der U2-Verlängerung in Richtung Praterstern und Happel-Stadion quer gelegt, hatten jedes nur mögliche rechtliche Mittel bis zur Neige augekostet – und so den ohnehin knappen Terminplan bis zur Fußball-EM ins Wanken gebracht. Mittwoch konnte Rieder nun Entwarnung geben: "Die U2 wird bis Mai 2008 bis zum Stadion in Betrieb gehen." Beide Fälle seien soweit ausjudiziert, dass die Arbeiten fortgeführt werden können.

Ein hoher Preis

Der Preis war ein hoher. Es ging zwar "nur" um ein Servitutsrecht – also die Duldung, dass unter dem Haus die _U-Bahn durchfährt _– trotzdem soll der eine Eigentümer dafür nun rund 17.000 Euro und der andere gar 253.000 Euro erhalten. Rieder wollte das "Verhalten der Verfahrensgegner nicht kommentieren" – und vorsichtig nur so viel sagen: "Wenn, wie in einem Fall, das Grundstück schon im Zuge des anhängigen Verfahrens erworben wird, dann entspringt das natürlich einem bestimmten Motiv."

Baukosten gestiegen

Dazu kommt, dass gleichzeitig die allgemeinen Baukosten stiegen. Um wieviel, könne noch nicht bilanziert werden, so Rieder. Nur eine flexible Umstellung der Bauabläufe habe die rechtzeitige Fertigstellung gesichert. So habe man zum ursprünglichen Hauptschacht in der_Heinestraße einen zweiten in der Taborstraße eingerichtet – womit die Vortriebsmöglichkeiten verdoppelt wurden, erläuterte Wiener Linien-Geschäftsführer Günter Steinbauer. Das habe bereits zusätzliche Zeitpolster geschaffen.

Arbeiten "extrem komprimiert"

ußerdem sei in der schon fertigen Rohröhre bereits mit dem Betonieren der Innenverschalung begonnen worden. Dies alles sei aber teurer – auch müssten die rund 250 Pumpen zum_Absenken des Grundwasserspiegels in der Leopoldstadt nun länger in Betrieb sein, so Steinbauer. Trotzdem müssen die Arbeiten auch weiterhin "extrem komprimiert" und zum Großteil im_Schichtbetrieb durchgeführt werden, um das Stadion bis zum Anpfiff der Fußball-EM zu erreichen.

Verlängerung bis nach Donaustadt ein Jahr länger

Trotzdem ist eine weitere Verspätung fix: Die weitere Verlängerung der U2 bis nach Donaustadt wird ein Jahr länger dauern (der Standard berichtete). Da habe man "das Tempo ein wenig herausgenommen", so Rieder – da sonst ein Loch im Wiener U-Bahnbau entstanden wäre. "Für den Beginn der nächsten U-Bahnbauphase hätten wir die Zustimmung des Finanzministers bis Sommer 2005 gebraucht", erinnerte Rieder. Jetzt _– fast ein Jahr später – seien die Vergandlungen mit dem Bund aber aufgenommen worden. Daher lautet der Fahrplan derzeit: Bis 2010 soll die U2 bis zum SMZ-Ost verlängert werden – und das Stückerl weiter zum Flugfeld Aspern könnte sie dann bis 2011 fahren. (Roman David-Freihsl, DER STANDASRD Printausgabe 8.6.2006)

  • Die künftige Station Taborstraße im 2. Bezirk: Bis auf das letzte Teilstück sind die Röhren  der neuen U2-Strecke längst gegraben, der Innenausbau ist voll im Gange.
    foto: andy urban

    Die künftige Station Taborstraße im 2. Bezirk: Bis auf das letzte Teilstück sind die Röhren der neuen U2-Strecke längst gegraben, der Innenausbau ist voll im Gange.

  • Umstrittener Bauabschnitt
    grafik: standard

    Umstrittener Bauabschnitt

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