Ankerbrot: Noch immer Brösel

22. Juni 2006, 15:20
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2005 mit negativem Eigenkapital

Wien – Recht kleine und harte Brötchen hat die Wiener Ankerbrot AG im Vorjahr gebacken. Der Bilanzverlust des Unternehmens mit Sitz in der Wiener Absberggasse hat sich zwar auf 1,3 Mio. Euro (nach 21,6 Mio. im Jahr davor) verringert, trotzdem ist die Lage des Unternehmens noch ziemlich unbequem. Die traditionsreiche Wiener Großbäckerei hatte 2003 den Ausgleich anmelden müssen, war vom deutschen Großindustriellen Peter Ostendorf übernommen worden und hat den Ausgleich letztlich im August des Vorjahres vorzeitig erfüllt. Was hinter dem Unternehmen liegt: massiver Personalabbau (auf rund 760 Mitarbeiter) und zahlreiche Filialschließungen.

Im Vorjahr sind die Umsätze erneut um zwei Prozent auf rund 82 Mio. Euro gefallen, "im operativen Geschäft konnten die gesteckten Ziele nicht zur Gänze erreicht werden", so die Erläuterungen in der am vorigen Wochenende im Amtsblatt der Wiener Zeitung veröffentlichten Bilanz. Ganz gut gelaufen ist es dagegen in den eigenen Filialen der Ankerbrot AG, die in der Anker Snack & Coffee Gastronomiebetriebs GmbH zusammengefasst sind. Dort ist der Umsatz im Vorjahr um zehn Prozent gestiegen.

Im Vorjahr haben die Bäcker auch ihr altehrwürdiges Fabriksgelände (Baujahr 1891) in Wien-Favoriten an ihr Bankenkonsortium verkauft – und sind im Gegenzug ihre Ausgleichsschulden bei diesen Gläubigern losgeworden. Das Eigenkapital der Gesellschaft lag mit 1,2 Mio. Euro im Minus – allerdings sind die Eigentümer rund um den Deutschen Ostendorf ihrer Wiener Ankerbrot AG mit einem Darlehen von 2,7 Mio. Euro beigesprungen und haben dafür eine Rückstehungserklärung abgegeben. Ein Procedere, das das Eigenkapital laut Bilanz "rechnerisch mit 1,4 Mio. Euro" ins Positive gedreht hat.

Sparprogramm und Übersiedlung

Laut den Wirtschaftsprüfern sind zwar "die Grundlagen für den Fortbestand des Unternehmens gelegt" – mit dem Sparen ist es aber noch nicht vorbei. "Gesondertes Augenmerk muss auf die uneingeschränkte Umsetzung der geplanten Maßnahmen zur Erreichung der Umsatzziele, und die konsequente Betreibung von umfassenden Einsparungsmaßnahmen gelegt werden, um die notwendigen positiven Cashflows als Voraussetzung für eine weitere und dauerhafte finanzielle Gesundung des Unternehmens zu erreichen", heißt es im Unternehmensausblick. Und: Zur "weiteren bilanziellen Gesundung dürfen keine signifikanten Unterschreitungen der gesetzten Ziele eintreten". In den nächsten drei Jahren werden die Bäcker übersiedeln und neu bauen: Nach dem neuen Standort wird noch gesucht. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.6.2006)

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