Teile Hawaiis könnten bis 2100 den Fluten zum Opfer fallen

8. Juni 2006, 18:13
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US-Studie berechnete Landschwund aufgrund des zu erwartenden Anstiegs der Meeresspiegel

Washington DC - Bereits im kommenden Jahr soll die größte marine Schutzzone der USA bei den westlichen Ausläufern der Hawaii-Inseln eingerichtet werden, berichtet die Fachzeitschrift National Geographic. Allerdings, so befürchten Wissenschaftler, bedeutet das für seltene Landlebewesen nicht notwendigerweise langfristigen Schutz, denn die flachen Inselchen könnten sehr schnell in den steigenden Fluten verschwinden.

Zwei Drittel der nordwestlichen Hawaii-Inseln könnten nach einer Studie schon 2100 völlig verschwunden sein, haben Forscher des Pacific Islands Fisheries Science Center, einer Abteilung der US National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA), berechnet. Der gesamte Archipel mit einer Länge von mehr als 1.900 Kilometern Länge beherbergt eine Vielzahl von sehr seltenen Tier- und Pflanzenarten. Zu den bedrohten endemischen Tieren zählen einige Vögel, Schildkröten, Seehunde aber auch Landschnecken und andere wirbellose Tierarten. Das Team um Jason Baker hat errechnet, dass der Meeresspiegel im 20. Jahrhundert um fast 15 Zentimeter gestiegen ist. Angeheizt durch die globale Erwärmung wird der Anstieg im 21. Jahrhundert immer schneller vor sich gehen, so die Wissenschaftler.

Einzigartige Flora und Fauna

Den Berechnungen zufolge werden 2100 bereits 65 Prozent der Landfläche der Inseln verschwunden sein, wenn der Meeresspiegel um 48 Zentimeter gestiegen ist. Nach Berechnungen der IPCC-Forscher könnte es allerdings auch sein, dass der Meeresspiegel bis 2100 sogar um 88 Zentimeter ansteigt. Dann wären 75 Prozent der Inseln verschwunden. "Durch die Isolation dieser Inseln konnte sich eine einzigartige Flora und Fauna entwickeln", so Baker, der unterstreicht, dass diese Inseln eine wichtige Rolle für das natürliche Ökosystem spielen. "Gerade durch die Isolation und das Fernbleiben der Menschen konnte sich etwa Trig Island als letzte Bastion der hawaiianischen Mönchsrobben etablieren." Neben dem Verlust des Landes klagen die Experten aber auch hier über eine massive Korallenbleiche durch zu hohe Wassertemperaturen.

Rettungschance

Eine letzte Chance der Rettung sehen die Forscher aber dennoch. "Wenn man mit Sand die Inseln aufschüttet, könnte die Landmasse zumindest erhalten bleiben", so Baker. Eine solche Arbeit müsste allerdings mit größter Sorgfalt durchgeführt werden, um die Zerstörungen am Ökosystem möglichst gering zu halten. Dass die USA in Zukunft daran denken, die Treibhausgasemissionen zu reduzieren, daran glaubt offensichtlich kein Forscher. "Nach den jüngsten IPCC-Berichten wird der Meeresspiegel sogar noch wesentlich mehr ansteigen", meint die Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb von der Universität für Bodenkultur in Wien im pressetext-Interview. "Eine Verringerung der Treibhausgase würde sich zwar sofort auswirken, wäre aber durch die Klimaträgheit erst in zehn Jahren messbar." (pte)

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