Entscheidung offen

8. Juni 2006, 13:41
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Stadtsprecher: "Ratsbeschluss ist offen" - Vermutlich kein Fraktionszwang bei Abstimmung am 22. Juni - Rat könnte auch Gespräch mit Handke suchen

Düsseldorf - Im heftigen Streit um die Zuerkennung des Düsseldorfer Heinrich-Heine-Preises an den österreichischen Schriftsteller Peter Handke sind nach Einschätzung eines Stadt-Sprechers keine eindeutigen Rats-Mehrheiten klar. "Es zeichnet sich ab, dass es in der Frage keinen Fraktionszwang geben wird", sagte der Sprecher am Dienstag. Damit sei die Debatte über den mit 50.000 Euro dotierten Preis "ein offener Prozess". Auf Grund der Fraktionsstärken war bisher vermutet worden, der Rat werde den Jurybeschluss für Handke wegen dessen Sympathien für den serbischen Ex-Diktator Slobodan Milosevic in seiner Sitzung am 22. Juni kippen.

SPD, Grüne und FDP im Rat signalisierten, gegen Preisverleihung zu sein

Unmittelbar nachdem die Preiszuerkennung an den österreichischen Autor bekannt gegeben worden war, hatten sich Gegner und Befürworter eine erbitterte Debatte geliefert. Umstritten ist die Frage, ob die für literarische oder politische Verdienste im Sinne Heines gestiftete Auszeichnung an Handke übergeben werden dürfe. Der Kulturausschuss der Stadt Düsseldorf hatte kürzlich für eine Bedenkzeit in dem bundesweit geführten kulturpolitischen Streit plädiert. SPD, Grüne und FDP im Rat der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt hatten signalisiert, das Preisgeld nicht zur Verfügung stellen zu wollen; die CDU zeigte sich unentschieden.

Rat könnte auch Gespräch mit Handke suchen

Es bestehe auch die Möglichkeit für den Rat, einen Beschluss weiter aufzuschieben, um etwa ein klärendes Gespräch mit dem umstrittenen Schriftsteller zu dessen Serbien-Haltung zu führen, meinte der Sprecher der Stadt. Erst nach einer endgültigen Ratsentscheidung könne über eine mögliche anderweitige Verwendung des diesjährigen Preisgeldes oder über die Zusammensetzung einer neuen Jury beraten werden, aus der im Zuge des Streits prominente Mitglieder ausgetreten waren.

Der Düsseldorfer Oberbürgermeister Joachim Erwin (CDU), der Vorsitzender der Heine-Preis-Jury ist, wird erst in Kürze einen Schiffsurlaub beenden. Während seiner Ferien sei Erwin nicht erreichbar, sagte der Sprecher. (APA/dpa)

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