Rapide Suche nach Käufer beginnt

19. Juni 2006, 16:18
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Trotz US-Vergleichs könnte es in den USA zu Verfahren gegen einzelne Beteiligte der Causa Refco kommen. Der Käufer der Bawag muss eine Menge Eigenkapital einschießen

Trotz US-Vergleichs könnte es in den USA zu Verfahren gegen einzelne Beteiligte der Causa Refco kommen. Der Käufer der Bawag – am ehesten eine Bank oder ein Versicherer aus dem Ausland – muss eine Menge Eigenkapital einschießen, denn die Kapitaldecke ist bereits sehr dünn.

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Wien – In seiner ersten Reaktion auf das Zustandekommen des US-Vergleichs brachte Bawag-Chef Ewald Nowotny die Causa am Dienstag auf den Punkt: "Es ist eine Menge Geld." Tatsächlich werden spätestens in einem Jahr 675 Mio. Dollar (rund 525 Mio. Euro) nach Amerika geflossen sein, um die Causa Refco zu beenden. Zudem verzichtet die Bawag aufs Rück-Klagen jener rund 400 Mio. Euro, die sie im vorigen Herbst in einer Blitzaktion an das inzwischen insolvente Brokerhaus Refco vergeben hatte.

Ein "Schuldeingeständnis" (für den US-Staatsanwalt ist die Bawag ein "partner in crime", also Mittäter der Causa Refco, die in den USA ab Herbst verhandelt wird) will Nowotny darin nicht sehen. Im ORF-Radio beschrieb er die Sachzwänge, unter denen man in den USA gestanden hat, pragmatisch so: "Die Staatsanwaltschaft stellt diese Behauptung auf, wir akzeptieren sie – und zwar wegen dieses Deals." Einer der Kernpunkte: Es wird kein Strafverfahren in den USA gegen Bawag und ÖGB geben, zu Verfahren gegen Einzelpersonen wie Ex-Vorstandsmitglieder oder Wolfgang Flöttl könnte es aber sehr wohl kommen.

Hundstorfer will "alle Beteiligten vor Gerichten sehen"

Ein Szenario, das auch ÖGB-Präsident Rudolf Hundstorfer gefiele. Der ÖGB-Chef auf die Frage des STANDARD, ob er sich wünsche, dass Bawag-Ex-Chef Helmut Elsner oder sein Vorgänger im ÖGB, Fritz Verzetnitsch, dereinst vor dem Richter landen? Hundstorfer: "Ich möchte alle Beteiligten, die für den Schaden nach unserer Rechtsordnung zur Verantwortung gezogen werden können, vor den Gerichten sehen" (siehe Interview).

Nach dem Sanctus für den Vergleich muss nun alles blitzschnell gehen. Das Geld, das letztlich für den Vergleich fließen wird, ist de faco bereits in den USA – und wird gerade aufgetaut. Denn seit 1. Mai waren in den USA 1,1 Mrd. Dollar an Bawag-Kundengeldern eingefroren; parallel dazu musste die Wiener Bawag die jeweils von den Empfängern dieser Gelder eingeforderten Beträge nachschießen. Neben den enormen Abhebungen in Österreich war das einer der Hauptgründe für die Liquiditätsprobleme der Bank.

Schnell muss nun auch der Verkauf des Instituts über die Bühne gehen. Alles ist bereit: Am Dienstag haben Aufsichtsrat und Hauptversammlung die Bilanz 2005 beschlossen; nun sind die Investmentbanker von Morgan Stanley dran, den idealen Käufer zu finden. Das Preisband wird wohl erst nach einer Due-Dilligence und den ersten Angeboten stehen, "denn derzeit ist es unmöglich zu sagen, was die Bank wert ist", meint ein Experte.

Zeitdruck

Der Zeitdruck erklärt sich nicht nur aus dem Faktum, dass die Bundesgarantie nur bis Juli 2007 kostengünstig ist (rund 1,8 Mio. Zinsen): Die Bank braucht dringend frisches Kapital, und daher einen Käufer, der bereit ist, einige hundert Millionen Euro einzuschießen (was wiederum vom Kaufpreis abgezogen wird). Jene 450 Mio. Euro, die die Banken und Versicherer der Bawag als Notration überlassen, sind schließlich nur eine Überbrückungshilfe bis zum Verkauf.

Dass die ehemalige Arbeiterbank österreichisch bleibt, ist eher zu bezweifeln. Das anfängliche Interesse von Erste Bank und Wiener Städtische ist ja bereits erkaltet, für den Sparkassen- wie auch für den Raiffeisensektor brächte ein Kauf wohl kartellrechtliche Probleme mit sich. Und die Volksbanken müssen erst den teuren Kauf der Investkredit verdauen.

Die höchsten Wetten werden derzeit daher auf große ausländische Finanzdienstleister wie Citibank, Allianz Versicherung, deutsche Postbank oder Commerzbank abgegeben. Sie könnten sich mit dem dichten Bawag-Vertriebsnetz gemütlich in den österreichischen Markt einkaufen. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.6.2006)

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