Mumok21 halten Bund und Stadt für "gute Idee"

6. Juni 2006, 17:18
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Alte Rinderhalle von St. Marx soll als Dependance Gegenwartskunst beherbergen - Stadt Wien: "Finanzierungskonzept fehlt noch"

Wien - Mehr Platz für aktuelle Kunst im Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig (Mumok) wünscht sich Direktor Edelbert Köb. Daher entwickelte er ein Konzept für ein "Mumok 21", das als Dependance in einer der beiden denkmalgeschützten Rinderhallen am einstigen Schlachthof St. Marx untergebracht werden soll. Auf zusätzlichen 9.000 Quadratmetern will Köb künftig Kunst ab 1989 präsentieren, wie es in einem Mumok-Pressetext heißt. Die Finanzierung von acht bis zehn Millionen Euro soll durch Beteiligung von Bund, Stadt Wien und privaten Sponsoren erfolgen. Bund und Stadt stehen Köbs Entwurf zumindest nicht abgeneigt gegenüber.

Konzept prüfen - Finanzierungskonzept erstellen

"Wir halten Köbs Konzept grundsätzlich für eine sehr gute Idee", heißt es aus dem Pressebüro des Bildungsministeriums. "Moderne Kunst lebt von großen Installationen, die viel Raum brauchen. Aber zuerst muss man sich das Konzept genau anschauen und prüfen". Im Kulturamt der Stadt Wien meinte eine Sprecherin von Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (S): "Der Stadtrat steht dem Projekt offen gegenüber, und hat auch bereits Gespräche mit Edelbert Köb geführt. Es fehlt aber noch ein vernünftiges Finanzierungskonzept, speziell für die Betriebsführung".

Ausstellungsfläche mit rund 3.140 Quadratmetern

Köbs Konzept des "Mumok 21" sieht eine Dependance für Gegenwartskunst am Gelände der historischen Rinderhallen (1879 bis 1891 errichtet) des ehemaligen Schlachthofs St. Marx vor. In einer der beiden Hallen plant Köb folgendes: ein öffentlich zugängliches Schaulager von 1.500 Quadratmeter für die Sammlung ab 1980, insbesondere für Installationen. Weiters eine Ausstellungshalle von 600 Quadratmeter für Sonderausstellungen, eine offene Ausstellungsfläche mit rund 3.140 Quadratmeter für Großskulpturen und temporäre Großschauen, eine vermietbare Veranstaltungsfläche von 1.670 Quadratmeter, eine 590 Quadratmeter große Halle für Kooperationen mit Sammlern, sowie ein unterirdisches Depot von 2.500 Quadratmeter.

Entwurf für Adaptierung der Architektur von Krischanitz

Den architektonischen Entwurf gestaltete dafür der Wiener Architekt Adolf Krischanitz. Nach einer Adaptierung stünden dem "Mumok 21" insgesamt 9.000 Quadratmeter Nutzfläche zur Verfügung. Die Gesamtkosten des Projektes inklusive der "Start-up Phase", gibt Köb mit 8 bis 10 Millionen Euro an. Finanziert werden soll das Unterfangen durch ein Private Public Partnership-Modell, an dem sich private Investoren ebenso beteiligen wie Bund und Stadt Wien. Im Haupthaus im MuseumsQuartier sollen im Falle einer Realisierung die Sammlungsbestände bis 1980 gezeigt werden.

Nachdem die Gemeinde Wien als Eigentümerin der Rinderhallen daran interessiert sei, ein Gesamtkonzept für das Gelände von insgesamt 20.000 Quadratmeter zu erhalten, führt Köb laut Pressetext auch Gespräche mit anderen potenziellen Nutzern, die als "synergetische Kooperationspartner" in Frage kämen. Eine neue Nutzung des neben Südost-Tangente und T-Mobile-Centers gelegenen Geländes wird bereits seit 1998 gesucht, als der St. Marxer Schlachthof still gelegt wurde.

Oldtimer-Szene spitzt auch auf Gelände

Gute Chancen auf den Zuschlag hatte zuletzt im Sommer 2005 die Umsetzung eines Entertainment-Centers für die Oldtimer-Szene. Die Entscheidung wird von Köb im Sommer 2006 erwartet.

Dem Mumok stehen derzeit insgesamt 4.500 Quadratmeter zur Verfügung, was eine adäquate Präsentation der Geschichte der Kunst seit dem Ende des 19. Jahrhunderts laut Köb nicht ermöglicht. Insgesamt fehlen dem Mumuk-Direktor 10.000 Quadratmeter. Die Londoner Tate Modern hat etwa 11.200 Quadratmeter zur Verfügung.

Stadtentwicklungsgesellschaft: "Technische Machbarkeit und Finanzierung auch noch ungeklärt"

Für den Geschäftsführer der Wiener Stadtentwicklungsgesellschaft, Rudolf Mutz, ist das Konzept für ein "Mumok 21" als Dependance in einer der beiden denkmalgeschützten Rinderhallen am einstigen Schlachthof St. Marx "wirtschaftlich noch nicht ausgereift". Das Vorhaben sei einer von mehreren Nutzungsvorschlägen, die man derzeit am Tisch habe - und im Moment "nicht die realistischste", so Mutz.

Mit MUMOK-Direktor Edelbert Köb sei man schon länger in Kontakt, betonte Mutz. Dieser habe aber bisher weder die technische Machbarkeit noch die Finanzierung seines Konzepts darstellen können. Um aus den Rinderhallen ein technisch einwandfreies Museum zu machen, bedürfe es "mehr als ein paar Wände aufstellen und Bilder aufhängen". Außerdem fehle nach wie vor ein Businessplan.

Die von Köb genannten acht bis zehn Mio. Euro an Gesamtkosten sind für Mutz "aus dem Bauch heraus geschätzt". Allein die Hüllensanierung würde schon neun Mio. Euro kosten. Derzeit arbeite man intensiv an verschiedenen Konzepten für das Gelände. Es gelte aber, "Eier erst dann zu verkaufen, wenn sie nicht nur gelegt, sondern auch bemalt sind". (APA)

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    visualisierung: schreiner/kastler
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    foto: mumok/lena deinhardstein
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