Hongkong: Gedenken an die Opfer vom Platz des Himmlischen Friedens

19. Juni 2006, 16:20
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Kundgebungen in Peking am 17. Jahrestag erneut untersagt - USA fordern von China Aufklärung

Peking - 17 Jahre nach der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung haben am Sonntag tausende Chinesen der Opfer gedacht. Die einzige öffentliche Kundgebung fand in Hongkong statt. Der Platz des Himmlischen Friedens in Peking, wo Soldaten am 4. Juni 1989 ein Massaker unter Demonstranten anrichteten, stand unter scharfer Beobachtung der Sicherheitskräfte. Als eine ältere Frau versuchte, ein Transparent zu entrollen, schritten Polizisten ein und zerrissen das Poster. Die Frau wurde festgenommen.

Die chinesischen Behörden unterbinden Jahr für Jahr Veranstaltungen zur Erinnerung an das Massaker mit hunderten Toten auf dem Tiananmen-Platz. In der ehemaligen britischen Kolonie Hongkong durfte jedoch eine Mahnwache stattfinden. In einem Park kamen nach Polizeiangaben knapp 19.000 Menschen zusammen, zündeten Kerzen an und hielten eine Schweigeminute in Erinnerung an die Opfer ein. Vor einem improvisierten Mahnmal wurden Kränze niedergelegt. Die Organisatoren sprachen von 44.000 Teilnehmern.

Politische Freiheiten

Die Veranstaltung im Hongkonger Victoria Park war die einzige derartige Demonstration auf chinesischem Boden. Die ehemalige britische Kronkolonie hat auch nach der Rückkehr ins chinesische Staatsgebiet 1997 politische Freiheiten behalten, die im übrigen Herrschaftsbereich nicht gelten. Erst in der vergangenen Woche hatten die "Mütter des Tiananmen" eine gerechte Untersuchung und Aufarbeitung der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung gefordert.

Der Militäreinsatz vom Juni 1989 wird in China offiziell als Niederschlagung konterrevolutionärer Unruhen bezeichnet. Die genaue Zahl der Toten ist bis heute nicht bekannt. Hunderte, wenn nicht Tausende verloren ihr Leben, als die Regierung Panzer und Truppen auf den Tiananmen-Platz schickte, der einen Monat lang von studentischen Anhängern der Demokratiebewegung besetzt gehalten worden war. In den offiziellen Medien wird der Jahrestag nicht erwähnt.

Die USA verlangten Aufklärung von der chinesischen Regierung über das Massaker. Peking müsse eine vollständige Bilanz der Opfer vorlegen, die getötet und verhaftet wurden oder seitdem vermisst seien, verlangte der Sprecher des Washingtoner Außenministeriums, Sean McCormack. (APA/AP/dpa)

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    Hongkong, Victoria Park: Zehntausende Menschen versammeln sich mit Kerzen im Gedenken an das Massaker am Platz des Himmlischen Friedens in Peking am 4. Juni 1989.

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