Das große Fressen

2. November 2007, 10:49
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Zuerst sieht der Garten paradiesisch aus, und über Nacht ist nichts mehr, wie es war - Schneckenbekämpfung im Test

Von den Bauern der umliegenden Höfe wird Schneckenkorn empfohlen. Das einzige, was hilft, meinen sie. Der große Kummer an der Sache: Die meisten Sorten Schneckenkorn sind giftig für Igel, Vögel und anderes Getier, inklusive der Bewohner des angrenzenden Gartenteichs.

Der nette Herr im Gartencenter meint, das ungiftige "Ferramol" sei eine wirksame Alternative. Überzeugte Biogärtner lehnen aber auch dieses Mittel ab und schwören auf andere Methoden, zum Beispiel Igel, die den Schnecken den Garaus machen. Dazu ist zu sagen, dass Igel zwar nette Zeitgenossen sind und es wunderbar ist, einen im Garten zu haben. Es macht aber keinen Sinn, mehrere Igel im Kleingarten auszusetzen in der Hoffnung, dadurch würde die Schneckenplage beseitigt.

Igel fressen weder Unmengen an Schnecken, noch können sie zu mehreren in einem kleinen Revier überleben. Laufenten sind ebenfalls entzückende Gefährten, aber nur für jemanden, der Enten grundsätzlich mag. Sie nur als Schneckenvertilger einzusetzen, bringt mehr Kummer und Arbeit als Nutzen.

>>>Was also hilft wirklich? Was also hilft wirklich? Generell empfiehlt es sich, die Lebensgewohnheiten der Schnecken zu kennen und zu nutzen. Von den rund 2000 Landschneckenarten, die in Europa heimisch sind, zählen nur etwa zwölf zu den Schadschnecken; die erst in den 70er-Jahren nach Mitteleuropa eingeschleppte Spanische Wegschnecke ist die bei uns am meisten gefürchtete.

Während heimische Arten einmal pro Jahr zwischen 15 und 300 Eier ablegen, bringt es die Spanische Wegschnecke auf zweimal bis zu 400 Eier und hat zudem den Vorteil, in Mittel- und Nordeuropa kaum natürliche Feinde zu haben. Der Grund dafür ist, dass diese Schneckenart auf heißes Klima eingestellt ist, das bedeutet, dass sie zäher und schleimiger als heimische Schneckenarten ist und zudem bitter schmeckt. (Letzteres wurde nicht von unseren Testern überprüft, sondern der am Textende angeführten Literatur entnommen.) Wie alle anderen Schneckenarten legen die Vertreter dieser Art ihre Eier an geschützten Stellen ab. Holzbretter im Garten stellen daher eine wirksame Maßnahme dar: Die Schnecken legen die Eier am Holz oder darunter ab, und wenn man diese dann umdreht, kann man die Eier in der Sonne vertrocknen lassen oder an die Goldfische verfüttern.

Weiters empfiehlt es sich, aromatische Pflanzen wie Liebstöckl, Pfefferminze, Oregano, Wermut oder Tomaten in sein Gemüsebeet aufzunehmen: Diese kräftigen Gerüche behagen den Schnecken nicht. Auch der Duft von Geranien und Eisenkraut wird offenkundig nur von menschlichen Riechorganen geschätzt.

Außerdem sollte sich der Komposthaufen, so man einen besitzt, in möglichst großem Abstand zum Gemüsebeet befinden, denn der Komposthaufen ist die Brutstätte für die gefürchteten Vielfraße.

>>>Die Kriterien Die Kriterien

In jahrelanger Beobachtung hat eine kleine Testgärtnergruppe diverse Strategien zur Schneckenbekämpfung nach Kosten, Aufwand, Wirksamkeit und "Grauslichkeitsfaktor" sortiert. Bei der Kostenberechnung der verschiedenen Produkte wurde von einem kleinen Gemüsegarten mit 18 Quadratmetern Fläche ausgegangen.

Die Ergebnisse

Schneckenzaun
Kosten: einmalig ab 75 €,
gesehen auf Schneckenprofi

Bei den Schneckenzäunen ist zwischen Modellen aus Blech und elektrischen Zäunen zu unterscheiden. Unsere Tester kamen zu dem Schluss, dass man am besten gleich zum elektrischen Zaun greifen sollte: "Die Schnecken lernen übers Jahr dazu. Irgendwann schaffen sie auch die beste Stahlblechbarriere." Mit dem elektrischen Zaun wurden gute Erfahrungen gemacht, der Arbeitsaufwand hält sich in Grenzen. Nach Anbringen des Zaunes muss das Beet von den Schnecken befreit werden, da diese sonst eingeschlossen und bestens versorgt sind. Abgesehen von den hohen Startkosten bekam der Schneckenzaun die besten Wertungen, insgesamt 7,5 Punkte

Schneckenkorn Ferramol
1-kg-Packung um 12,99 Euro,
gesehen im Gartencenter Posch, Wals

Ferramol ist nach unserer Recherche das einzige Schneckenkorn, das auch von Biogärtnern verwendet werden darf, und wurde aus diesem Grund in den Test aufgenommen. Der Arbeitsaufwand - zwei bis drei Anwendungen pro Saison - ist im Vergleich zu anderen Methoden minimal; was den Grauslichkeitsfaktor angeht, gingen die Meinungen auseinander: Die einen meinten, man müsse die Schnecken immerhin nicht angreifen, da sie sich nach dem Verzehr des Kornes in ihre Verstecke zurückziehen, um dort zu sterben. Genau dieser Punkt brachte seitens anderer Juroren viel Kritik, denn - gefräßige Schleimer hin oder her - die Tiere verhungern elend. Trotzdem bekam das biogarten-taugliche Schneckenkorn 7,3 Punkte

Schneckengranulat
Verschiedene Anbieter, z. B. Snoek: 500-g-Packung um 14,95 €,
gesehen im Reformhaus Herbosan, Freilassing

"Das riecht so gut, wie im Paradiesgarten", schwärmte eine Testerin. Diese Meinung teilten nicht alle Juroren, und die Schnecken - zum Glück - schon gar nicht: Das Granulat besteht aus Lavakörnchen, die mit ätherischen Ölen getränkt sind, deren Geruch Schnecken offenbar nicht mögen. Einziger Nachteil dieses Produkts: In regenreichen Sommern muss das Mittel öfter ausgebracht werden - normalerweise genügen vier- bis fünfmal pro Saison -, und das kann ganz schön ins Geld gehen. Außerdem wurde beobachtet, dass bei für Schnecken besonders schmackhaften Pflanzen wie Zucchiniblüten oder Basilikum das Schneckengranulat nicht wirkt. Anscheinend ist in solchen Fällen der verführerische Duft der Pflanze stärker. 6,8 Punkte

>>>weitere Ergebnisse Sammeln
Das Einsammeln der Schnecken kostet nichts, bringt aber einen enormen Arbeitsaufwand und einen hohen Grauslichkeitsfaktor mit sich. Ab dem Frühjahr gilt es, mindestens zweimal täglich alle auffindbaren Schnecken abzusammeln und mögliche Verstecke nach Eiern abzusuchen. Beste Zeit zum Sammeln ist während der Dämmerung, wenn die Schleimer zu ihren täglichen Raubzügen aufbrechen, oder im Regen. Wer beschließt, seine Beete regelmäßig zu filzen, sollte sich vorher überlegen, wohin er seine Beute bringen kann. Ein nahe gelegener Wald bietet sich an, engagierte Schneckenspezialisten finden dies aber bedenklich, weil dadurch die in unsere Breiten eingeschleppte Spanische Wegschnecke noch weiter verbreitet wird. Die Schnecken in den Biomüll zu kippen, ist ebenfalls nicht sehr freundlich. Nur wenn also die Entsorgung geklärt ist, kann die Absammelmethode, regelmäßig angewandt, als sehr wirksam und sicher weniger grausam als die Bierfalle empfohlen werden. 5,75 Punkte

Bierfallen
Entgegen der oft verbreiteten Meinung sollen Bierfallen nicht in der Nähe des Beetes angebracht werden. Denn das Bier lockt Schnecken an, und zwar aus ziemlich großer Entfernung. Bierfallen gehören in einiger Entfernung zum Beet eingegraben - die einfachste Methode ist ein Jogurtbecher, der in den Boden versenkt wird. Dabei sollten ein bis zwei Zentimeter Rand herausschauen, damit darin keine Käfer gefangen werden. Das Ausleeren der ertrunkenen Schnecken befanden die Tester unisono als "abartig grauslich", auch wenn es sich um Fertig-Bierfallen mit herausnehmbaren Sieben handelte (in Gartenzentren ab ca. acht Euro erhältlich). Außerdem meinte ein Hobbygärtner: "Wenn ich schon den Salat mit den Viechern teilen muss, dann nicht auch noch das Bier!" 4,5 Punkte

Methoden außer Konkurrenz
Was nicht in den Test aufgenommen wurde, aber immer noch praktiziert wird, ist das Zerschneiden der Schnecken im Beet. Von dieser Methode ist abzuraten, denn erstens ist sie Tierquälerei und zweitens nicht zielführend, da die toten Schnecken unzählige Artgenossen anlocken.

Das Aufbringen von Mulch oder Asche im Beet ist hingegen eine ratsame Zusatzmethode, da Schnecken Schwierigkeiten haben, über trockene und staubige Flächen zu kriechen. Das Problem ist auch hier der Regen: Sobald der Mulch mit Wasser vollgesaugt ist, bietet er keinen Schutz mehr. Und wenn er zu dick aufgetragen wird, finden die Schnecken nach dem Regen darunter eine herrliche Brutstätte!
Buchtipps:
Robert Sulzberger: "Wenn Schnecken zur Plage werden"
und Marie-Luise Kreuter: "Biologischer Pflanzenschutz" (beide BLV-Verlag)
Wolf-Dieter Storl: "Der Kosmos im Garten", (AT-Verlag)
Susanne Sailer: "Pflanzen, die Schnecken mögen oder meiden, sowie Abwehrtipps gegen Schnecken" (Verlag Susanne Sailer, zu bestellen auf Schneckeninfo)

Herzlichen Dank an Oma für die jahrzehntelange gärtnerische Beratung! (Der Standard, Printausgabe 3./4.6.2006)

Wie man der Schneckenplage im Kleingarten Herr bzw. Herrin werden kann, hat Romana Hasenöhrl untersucht.
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