Europa: Anhaltend hohe Nervosität

6. Juni 2006, 19:09
28 Postings

Ein Kommentar von Ronald Stöferle und Jürgen Ulamec aus dem Equity Weekly der Erste Bank

Die Kursverläufe der europäischen Leitbörsen glichen in der abgelaufenen Handelswoche einer Achterbahnfahrt. Die Nervosität der Anleger bleibt aufgrund der teils gröberen Kurskorrektur der Vorwochen weiterhin sehr hoch, zudem belasten Unsicherheitsfaktoren wie der schwache Dollar, der weiterhin hohe Ölpreis sowie verstärkte Zinsängste die Märkte.

Im Übernahmepoker um die Vierländerbörse Euronext konnte sich letztendlich die amerikanische NYSE Group durchsetzen. Dabei übernimmt die weltgrößte Börse die Euronext für rund USD 10 Mrd. in Bargeld und Aktien. Durch die Transaktion entsteht die erste transatlantische Aktienbörse mit einer Marktkapitalisierung von mehr als EUR 20 Mrd. Im Rahmen der Transaktion erhalten Euronext-Aktionäre 0,98 Aktien der neuen NYSE Euronext sowie EUR 21,32 in bar. Der Aufsichtsrat der unterlegenen Deutsche Börse AG hat indes den Vorstand gebeten Alternativen zu einer Fusion mit der Vierländerbörse Euronext zu prüfen. Weiters konnte man eine Absichtserklärung zur Verbesserung der Zusammenarbeit mit dem chinesischen Börsebetreiber CFETS unterzeichnen.

Der britische Mobilfunkanbieter Vodafone Group vermeldete den größten Verlust in der europäischen Unternehmensgeschichte. Aufgrund hoher Abschreibungen des Deutschland-Geschäfts musste man einen Nettoverlust von knapp GBP 22 Mrd. ausweisen. Analysten waren im Vorfeld von einem höheren Verlust ausgegangen, zudem wurde eine deutliche Dividendenanhebung vorgeschlagen. Darüber hinaus gab es Gerüchte dass die Deutschen Telekom für bis zu EUR 36 Mrd. eine Übernahme der British Telecom plant. Dies dürfte jedoch eher unwahrscheinlich sein.

Im Übernahmepoker um den luxemburgischen Stahlkocher Arcelor dürfte es weiterhin spannend bleiben. So machten Arcelor-Aktionäre diesmal gegen eine Fusion mit der russischen Severstal mobil. Der amerikanische Katalysatoren-Hersteller Engelhard hat seinen Aktionären indes empfohlen das Angebot von BASF in Höhe von USD 39 je Aktie anzunehmen. Somit sollte der Weg für die bislang größte Übernahme in der Firmengeschichte von BASF im Gesamtwert von rund USD 5,1 Mrd. frei sein.

Schwächer tendierten die beiden DAX-Schwergewichte RWE und E.ON. Die Konzernzentralen von E.ON in Düsseldorf und München wurden wegen des Verdachts von Preisabsprachen nach einem Auftrag des Bundeskartellamtes durchsucht. Für die kommende Handelswoche stehen kaum Veröffentlichungen relevanter volkswirtschaftlicher oder unternehmensspezifischer Daten an. Die Volatilität dürfte jedoch weiterhin auf hohem Niveau verbleiben (der VDax befindet sich auf dem höchsten Niveau seit zwei Jahren).

Share if you care.