Skoceks Zeitlupe: Sonnenberg-Reform

14. Juni 2006, 20:57
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Franz Beckenbauer will nach der WM über eine Reinigung des Fußballs von der Geldgier und "über die Grenze des Geldverdienens reden"

Franz Beckenbauer will nach der WM über eine Reinigung des Fußballs von der Geldgier und "über die Grenze des Geldverdienens reden". Er meint nicht Joseph Blatter, den Protegé und Nachfolger des langjährigen FIFA-Präsidenten und Geldvermehrers João Havelange. 2001 ging die allmächtige Vermarktungsagentur ISL der FIFA pleite, angesichts des Fußball-Booms ein Kunststück. Im November 2005 fand eine Hausdurchsuchung in Blatters Büros auf dem "Sonnenberg"in Zürich statt. Ergebnis? Bisher null. Andrew Jennings hat im Buch "Foul"die Vorwürfe zusammengetragen.

Beckenbauer half mit, Blatter von seinem Wahlversprechen und Plan abzubringen, die WM 2006 Südafrika zu geben. Stattdessen wurde Deutschland beteilt. Daher wird Beckenbauer den FIFA-Präsidenten kaum attackieren. Beckenbauer: "Wenn man die Spielervermittler sieht, die die Spieler hin- und herschieben, wenn man merkt, dass jeder die Hand aufhält, dann macht mich das traurig. Einige Manager und Trainer verdienen an Transfers, sogar Präsidenten und Politiker, alle sind verwickelt."Beckenbauer half mit, Lothar Matthäus bei Salzburg zu platzieren, der als Rapid-Trainer 2001 Jungstar Andi Ivanschitz bei der Agentur Stangassinger eingeführt hatte. Matthäus war damals an der Agentur beteiligt.

Die Agentur gibt es nicht mehr, aber Georg Stangassinger managt Ivanschitz, und Matthäus riet Ivanschitz zum Wechsel nach Salzburg. Vielleicht kommen noch ein paar abgetakelte Bayern-Cracks nach Salzburg, dann ist das Geschäft komplett. Wenn Beckenbauer wirklich alle meint, wird es spannend mit der Säuberung. Aber wahrscheinlich meint er wieder nur die anderen. (DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 2. Juni 2006, Johann Skocek)

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