Tirol: Abschussgenehmigung gegen "JJ1" wird zurückgezogen

2. Juni 2006, 18:39
posten

"Er bekommt noch eine Chance" - Bär soll von finnischen Bärenhunden aufgestöbert werden

Innsbruck/Wien - Nach der Aufregung um den in Tirol herum streunenden Bären "JJ1" will das Land nun freundlicher für Tiere dieser Gattung werden. Dies hat der Tiroler Agrarlandesrat Anton Steixner (V) am Donnerstag in Wien angekündigt. Als erster Schritt soll die im Bezirk Reutte ausgesprochene Abschussgenehmigung widerrufen werden. "JJ1" solle eine zweite Chance bekommen, sagte Steixner zur APA. Der WWF will indessen finnische Bärenhunde einfliegen lassen, um "JJ1" aufzustöbern.

Für Bärenzuwanderung offen

Tirol sei für die Bärenzuwanderung offen und heiße sie willkommen, sagte er. Das Land müsse aber gut darauf vorbereitet sein. Daher soll Tirol dem Bären-Management-Plan des WWF beitreten. Außerdem überlege er, gemeinsam mit Bayern und Vorarlberg einen Bärenanwalt um rund 44.000 Euro im Jahr zu engagieren.

Er bezweifelte aber, dass Tirol ein Dauersiedlungsraum für Bären werde. "Es kann aber sein, dass immer wieder einer durch zieht und dann müssen wir darauf vorbereitet sein. Der erste Schritt dazu ist der Management-Plan", meinte er. Darin sei eine klare Risikoeinschätzung und genaue Abläufe vorgegeben.

WWF-Präsident Helmut Pechlaner würde es begrüßen, wenn Tirol zum Bärenland werde. "Die Abneigung gegen diese Tiere in der Bevölkerung hat sich ins Gegenteil gekehrt", beobachtete er. Weiterhin werde laut Steixner alles unternommen, um "JJ1" zu fangen. Für den Bezirk Schwaz, wo der Bär das letzte Mal Anfang der Woche gesichtet worden war, werde kein Abschussbescheid ausgegeben. Bei Notsituationen in Siedlungsgebieten dürfe er aber in ganz Tirol abgeschossen werden.

Finnische Bärenhunde

Wie der WWF am Donnerstag in einer Pressekonferenz bekannt gegeben hat, sollen finnische Bärenhunde eingeflogen werden, um "JJ1" aufzustöbern. Eine endgültige Entscheidung fällt in den kommenden Tagen, die "Einreise" der speziellen Vierbeiner werde frühestens in eineinhalb Wochen erfolgen, so der WWF.

Einer zweiten Variante, den Bären einzufangen, wird mittlerweile nicht mehr so viel Chancen auf einen Einsatz eingeräumt: Laut Freitagausgabe der "Presse" hat der WWF informell mit dem Bundesheer über eine besondere Assistenz bei der Bärenjagd verhandelt: Mit Wärmebildkameras soll der Braunbär vom Hubschrauber aus aufgespürt werden. (APA)

Share if you care.