Bank-of-China-Börsengang erfreut Anleger mit Kursfeuerwerk

4. Juli 2006, 13:46
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Der weltweit größte Börsengang seit sechs Jahren brachte der Großbank 7,6 Milliarden Euro - Aktie legte am ersten Handelstag 15 Prozent zu

Wer Rang und Namen in Hongkongs Finanzwelt hat, durfte gestern Abend im kleinen Kreis der "500 Wichtigen" im Ballsaal des Hotels Shangrila mit dem Präsidenten der Bank of China (BOC), Xiao Gang, den erfolgreichen Börsengang seines Instituts mitfeiern. Zum Börsenschluss hatte das Finanzinstitut seinen ersten Handelstag mit Bravour gemeistert und für seine Aktien 15 Prozent über den Ausgabe von 2,95 Hongkong-Dollar (0,30 Euro) erhalten. Und das auch noch gegen den Markttrend, der die Hongkonger Börse gestern um mehr als ein Prozentpunkt empfindlich einbrechen ließ.

Zeichen des Vertrauens

Xiao Gang wertete dies als Zeichen des Vertrauens der internationalen Investoren in Chinas langfristige Wirtschaftsentwicklung. Er feierte seine IPO, die von der Schweizer Bank UBS zusammen mit BOC International und Goldman Sachs vorbereitet wurde, als ein "Meilenstein" in der internationalen Tradition des fast 100 Jahre alten Bankhauses. Die Aktionäre erwarben für 9,7 Milliarden US-Dollar 25,57 Millionen Aktien oder 10,5 Prozent Aktienkapital der zweitgrößten Geschäftsbank Chinas.

Flaggschiff der Reformen

Das Finanzinstitut, in das sich die Royal Bank of Scotland, Merrill Lynch und eine Singapurer Holding als strategische Investoren einkauften, hat nach Ende des gestrigen Börsentages rechnerisch eine Marktkapitalisierung von mehr als 80 Milliarden Euro erreicht. Viele Investoren betrachten Chinas größte Devisenbank als Flaggschiff der Pekinger Reformen und als Plattform, von der aus sie am rasanten Wachstum des Landes teilnehmen können.

Nicht beirren lassen

Sie ließen sich auch weder vom aktuellen Auf und Ab an den asiatischen und internationalen Börsen noch von der an Korruptionsskandalen reichen Geschichte der einstigen Staatsbank oder ihrer internen Schuldenlast mit schlechten Krediten beirren. Vergangenen November hatte etwa die BOC in ihren 11600 Zweigstellen auf einen Schlag 31 Manager abgelöst und über 3045 Angestellte bestraft.

Das Pekinger Finanz- und Börsenmagazin Caijing warnte zudem in seiner jüngsten Ausgabe, dass Pekings Anstrengungen, die Wirtschaft abzukühlen und auf die Kreditbremse zu treten, "ein Risiko für die künftige Entwicklung des BOC-Aktienkurses darstellen könnte". (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2.6.2006)

Johnny Erling aus Peking
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